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Geschichte der Theaterkultur in der Stadt Český Krumlov

Die reiche Geschichte der Theaterkultur in Český Krumlov dauert bereits mehr als vier Jahrhunderte an. Ihre Anfänge sind mit dem höfischen Milieu des Krumauer Schlosses verbunden. Die ersten indirekten Informationen über die Theatervorstellungen auf dem Schloß kommen aus den 80er Jahren des 15.Jahrhunderts, als der Rosenberger Kanzler Václav z Rovného die Komödie "Polixena" des italienischen Autors Leonardo Bruni abschreiben ließ. Ein anderer Bericht beweist, daß Václav z Rovného im Jahre 1497 auf dem Rosenberger Hof das Spiel "Rosa Rosensis" des Humanisten Jakub Canter aufführte, das das Rosenberger Herrschergeschlecht verherrlichte. Zu einer bedeutenden Entwicklung des Theaterlebens auf dem Schloß kam es in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts während der Regierung der letzten Rosenberger.

Das Theaterschaffen beschränkte sich zur damaligen Zeit nicht nur auf das Schloß. Theateraktivitäten kamen auch im Zusammenhang mit dem Wirken des Jesuitenordens, in dessen Missions- und Bildungstätigkeit das Theater immer eine bedeutende Rolle spielte. Die Schulsemester endeten oft mit einer Theatervorstellung, in der die Schüler des Jesuitenkollegs spielten. So wurde zum Beispiel am 16. 5. 1588 anläßlich einer feierlichen Eröffnung des neu erbauten Kollegs das Drama "Euripus" aufgeführt, im Jahre 1590 fand das Spiel über den Hl. Veit statt, zehn Jahre später spielten die Jesuitenschüler das Drama "Ester". Die Jesuitenvorstellungen benutzten Motive aus der Geschichte der Kirche, mit biblischer Thematik oder aber sie führten ausgedachte, gefühlsbetonte, religiös und moralisch wirkungsvolle Geschichten auf. Als Sprache wurde in diesen Dramen Latein benutzt. Man spielte auf improvisierten Bühnen im Jesuitenkolleg (Horní Nr. 154), auf dem Schloß, in einigen Fällen nutzte man auch die Horní-Gasse oder den Stadtplatz. Auf das Jahr 1613 bezieht sich ein Hinweis über die Existenz eines Holztheaters mit beweglicher Szene auf dem Hof des Jesuitenkollegs. In der Mitte des 17. Jahrhunderts zog das Theater in ein gemauertes zu diesem Zweck errichtetes Gebäude (Horní Nr. 153) um. Für die Theaterzwecke diente das Gebäude auch noch nachdem der Jesuitenorden am Ende des 18. Jahrhunderts aufgelöst worden war.

Titelblatt der Komödien von Terentius aus dem Jahre 1499 Johann Valentin Petzold, Porträt im Schauspielerkostüm

Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die Krumauer Herrschaft in den Besitz der Eggenberger überging, stieg in der Schloßgesellschaft das Interesse für weltliche Theaterthematik und das Jesuitentheater konnte diese Ansprüche inhaltlich nicht befriedigen. Deshalb wurde auf dem Krumauer Schloß im Jahre 1675 in dem sog. "Hirschsaal" die erste ständige Schloßtheaterbühne errichtet. Dieses Theater entsprach aber wahrscheinlich nicht den Ansprüchen der fürstlichen Besitzer und so ließ im Jahre 1680 Fürst Johann Christian I. von Eggenberg ein neues selbständiges Theatergebäude auf dem V. Schloßhof des Schlosses erbauen. Zu dieser Zeit wirkte bereits auf dem Schloß ein ständiges Schauspielerensemble. In den Jahren 1765 - 1766 wurde das Theatergebäude von Joseph Adam zu Schwarzenberg umgebaut und mit einer neuen technischen Einrichtung sowie mit Dekorationen ausgestattet. In diesem Zustand blieb das Theater in einem mehr oder weniger unveränderten Zustand bis heute erhalten.

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Im 19. Jahrhundert spielten in Český Krumlov vor allem fremde Theatergesellschaften. Man spielte im Gebäude des ehemaligen Jesuitentheaters, das in den Jahren 1808 - 1812 umgebaut und weiterhin Stadttheater genannt wurde, oder bis in das Jahr 1898 im Schloßtheater. In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts entstand in der Stadt der erste Laientheaterverein. Seine Mitglieder waren vor allem Bürger und Handwerker.

Die Situation in der Theaterkultur der Stadt änderte sich zum Positiven nach dem Jahre 1919. Dank dem Dramatiker Hans Sassmann und dem Verein Südböhmische Schaubühne nahm in Český Krumlov ein ständiges Theater seine Tätigkeit auf. In jeder Saison führte das Theater viele Vorstellungen aus dem Bereich der klassischen Dramen, Volksspiele, Opern, Operetten, Konzerte und für Kinder bestimmte Vorstellungen auf. Seinem Zweck diente das Gebäude des Stadttheaters auch nach dem Jahre 1945 bis zum Anfang der 70er Jahre. Damals wurde beschlossen, daß das altertümliche Gebäude seinem Zweck nicht mehr angemessen ist und daß es daher als Bestandteil eines Hotels genutzt wird.

Von den weiteren bedeutenden Theateraktivitäten in Český Krumlov sind im 20. Jahrhundert die Tätigkeit des Laienensembles "Českokrumlovská scéna" (Südböhmische Schaubühne, im Jahre 1945 gegründet) und vor allem dann das Südböhmische Theaterfestival zu nennen. Zum ersten Mal fand es im Jahre 1947 statt und es wurden dabei auch einige Vorstellungen im Schloßgarten aufgeführt. Das dritte Mal fand es im Jahre 1958 statt. Diesmal spielte man nicht nur im Garten, sondern auch im barocken Schloßtheater. Im historischen Schloßtheater spielte man auch in den Jahren 1960, 1961, 1962 und 1965, als das Theater geschlossen wurde und man mit anspruchsvollen Restaurierungsarbeiten begonnen hat. Seit dem Jahre 1959 nutzte das Südböhmische Theaterfestival vor allem die drehbare Zuschauertribüne, die im Schloßgarten vor dem Lustschloß Bellarie neu erbaut wurde. Im Jahre 1988 wurde wegen des schlechten Zustandes diese Bühne geschlossen und im Jahre 1989 begann man mit dem Bau eines neuen drehbaren Zuschauerraums, der im Jahre 1993 beendet wurde. Zur Zeit wird für diese Bühne die optimale Form der Nutzung gesucht, die den Ansprüchen des unter Denkmalschutz stehenden Schloßgartens entsprechen könnte.

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Weitere Informationen:
Schloßtheater in Český Krumlov
Geschichte des Stadttheaters in Český Krumlov
Geschichte des Laienensembles "Českokrumlovská scéna"
Geschichte des Südböhmischen Theaterfestivals in der Stadt Český Krumlov

(om)