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Geschichte des Laienensembles "Českokrumlovská scéna"

Nach der Befreiung von Český Krumlov durch die amerikanische Armee im Mai des Jahres 1945 berief der Theaterreferent der "Ortlichen Verwaltungskommission" Herr Antonín Zwiefelhofer die Liebhaber des Laientheaters ein und diese gründeten in demselben Jahr die "Českokrumlovská scéna" (Böhmisch-Krumauer Schaubühne), deren erster Vorsitzender Václav Krobel wurde. Ihre Mitglieder widmen bis heute ihre Kräfte der Entwicklung des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens ihrer Stadt, ihres Bezirkes und ohne zu übertreiben auch der ganzen Region. Im Jahre 1995 feierte sie ihr 50-jähriges Bestehen. Bis in das Jahr 1998, also 53 Jahre seit der Gründung, wirkten im Kollektiv über 236 Mitglieder, davon 116 Frauen und 120 Männer. Es wurden 159 Premieren aufgeführt, davon 108 Schauspiele, 22 Märchen, 15 Kabaretts, 9 Singspiele und 5 Operetten. Es fanden 586 Vorstellungen statt, davon 427 Reprisen , an denen sich 28 Regisseure beteiligten. Dies ist nicht nur eine statistische Feststellung, sondern ein Grund zum Nachdenken, wieviele Stunden, Abende, wieviel Mühe zum Erreichen eines solchen Ergebnisses notwendig waren. Dank der Českokrumlovská scéna wurden die Krumauer Zuschauer mit Werken einheimischer, aber auch ausländischer Autoren bekannt gemacht. Aus dem Repertoire der Schauspiele können wir z. B. Moliere "Der Geizige, Scapinos Schelmereien", Goldoni "Schwiegerväter, Mirandolina", Lope de Vega "Bauer sein eigener Herr, Bis zum Tode lieben", H. de Balzac "Eugenie Grandet", O. Wilde, K. Čapek "RUR, Sache Makropulos", V. Dyk "Der Rattenfänger", V. Nezval "Manon Lescaut", J. Vrchlický "Eine Nacht auf Karlštejn" (wurde auf dem Schloßhof aufgeführt) u. a. erwähnen.

Antonín Zwiefelhofer

Aus dem Operettenrepertoire O. Nedbal "Polnisches Blut, Weinlese" (vor dem Lustschloß Bellaria im Schloßgarten gespielt), R. Piskáček "Jungfrau Serafinkas Perlen", J. Jankovec "Ein Mädchen aus dem Hafen", K. Hašler "Podskalák".

Weiters Singspiele J. Ježek "Himmel auf Erden" (aus dem Repertoir von Voskovec und Werich), Brdečka "Limonaden-Joe", das Folklore-Programm "Böhmerwald-Lieder".

Kabaretts "Od šantánu k candrbálu (Vom Tingeltangel zum Sonderball), Es war einmal", "Erinnerungs-Show". Die erfolgreichsten Regisseure waren: V. Korbel (14 Premieren, 24 Reprisen), A. Polák (11 Premieren, 26 Reprisen), J. Hlásek (11 Premieren, 29 Reprisen), A. Zwiefelhofer (32 Premieren, 127 Reprisen).

Eine Szene von der Vorstellung der Laientheatergruppe Českokrumlovská scéna (Böhmisch-Krumauer Schaubühne),

Die Mitglieder der "Českokrumlovská scéna" nahmen an allen Filmaufnahmen in- und ausländischer Provenienz, die in Český Krumlov gedreht wurden, teil. Sie standen auch an der Wiege der "Drehbaren Zuschauertribüne" im Schloßgarten. Viele Mitglieder der "Českokrumlovská scéna" fanden Engagement auch in professionellen Theater- oder Balettensembles.

Die "Českokrumlovská scéna" hatte auch ihr eigenes Balett-Ensemble unter der Leitung der Ballettmeisterin Máša Bokrová aus České Budějovice. Es nahm an Konzerten teil, die im Rahmen der "Feste der fünfblättrigen Rose" (Slavnosti pětilisté růže) im Maskensaal des Schlosses stattgefunden haben.

Unter der Begleitung des symphonischen Orchesters Dalibor unter der Leitung von Dr. Stanislav Balík wurden Werke alter Meister einstudiert, und zwar Arien aus Opern von W. A. Mozart, interpretiert von Zdena Zwiefelhoferová, sowie auch Tänze der damaligen Zeit (Menuett, Gavotte) in Choreographie von Máša Bokrová.

Im Jahre 1968 schrieb das Ehepaar Antonín und Zdena Zwiefelhofer das Szenarium zu den "Festen der fünfblättrigen Rose" und wurden so deren Begründer. Sie fanden in den Jahren 1968, 1969, 1970 statt. Weitere wurden aus ideologischen Gründen der damals regierenden Kommunistischen Partei verboten. An diesen Festen nahmen alle Mitglieder der Szene teil. Sie stellten die wichtigsten Persönlichkeiten der Geschlechter der Witigonen, der Rosenberger, der Habsburger, der Eggenberger, der Schwarzenberger. Der restliche Komparse von 800 Personen wurde von den Bürgern der Stadt, aber auch vom Militär gebildet. Die Feste sollten zur Belebung des Fremdenverkehrs beitragen. Sie waren eine Fortsetzung der bei der Znaimer Weinlese angeknüpften Kontakte, zu denen die Szene als kostümierte Gruppe aus der Renaissance-Zeit eingeladen wurde (Wilhelm und Peter Wok von Rosenberg), um ihre Stadt zu repräsentieren.

Für diese Feste verfaßte A. Zwiefelhofer auch das Spiel "Der letzte Rosenberger", das er bei den Festen im Jahre 1971 in Zusammenarbeit mit der Schriftstellerin Nina Bonhardová aufführen wollte. Diese Absicht wurde jedoch aufgrund des Verbotes der Feste nicht mehr verwirklicht.

Antonín Zwiefelhofer wurde für seine allseitige Tätigkeit und besonders für die Gründung der "Feste der fünfblättrigen Rose" im Jahre 1970 mit der "Erinnerungsplakette I. Grades für die Verdienste um die Entwicklung der Stadt Český Krumlov" ausgezeichnet.

Fotografie von der Vorstellung der Laientheatergruppe Českokrumlovská scéna (Böhmisch-Krumauer Schaubühne) aus dem Jahre 1970

Der Intendant des Theaters aus Meiningen sprach sich sehr anerkennend aus: "Die Feste der fünfblättrigen Rose waren großartig. Wir waren erstaunt, welch hohes Niveau die Amateurensembles haben. Bei den Tanzgruppen konnten wir nicht unterscheiden, ob es Amateure oder Professionelle sind".

Im Jahre 1971 wurde das Stadttheater geschlossen, das eines der ältesten Theater in Mitteleuropa war, und zwar mit der Begründung, daß es rekonstruiert werde. Dies passierte leider nicht und es wurde zum Bestandteil des Hotelkomplexes Růže. Die Szene spielte in einem Provisorium des ehemaligen Restaurants in Horní Brána (Obertor) und später im Jugendklub "Luna". Die Arbeit stagnierte immer mehr - man hatte keinen Raum zum Spielen.

Erst im Jahre 1994 beruft Antonín Zwiefelhofer mit seinen 77 Jahren die Mitglieder der Szene in das neue Theater, das aus dem Objekt des ehemaligen Kinos und des Gartenrestaurants unter dem Namen "Stadttheater" umgebaut wurde. Damit nahm er die Tätigkeit der "Českokrumlovská scéna" wieder auf, und zwar mit der Vorstellung der Kabaretts der Alt-Prager-Lieder "Od šantánu k candrbálu (Vom Tingeltangel zum Sonderball)" - unter der musikalischen Leitung von ing. Vladimír Jirásek. Zur Zeit setzt die Szene ihre Tätigkeit fort, sie studierte 2 Märchen und ein Schauspiel ein.

(az)