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Geschichte des Stadttheaters in Český Krumlov

Horní Nr. 153,  Gesamtansicht Die Geschichte des städtischen Theatergebäudes in Český Krumlov geht bis in den Anfang des 17. Jahrhunderts zurück, als es im Zusammenhang mit dem Wirken des Jesuitenordens errichtet wurde. Das Theater spielte in der religiösen und bildenden Tätigkeit des Jesuitenordens immer eine bedeutende Rolle. Für Schul- und Theaterzwecke begannen die Jesuiten das Gebäude des ehemaligen Stadttheaters in Český Krumlov in der Gasse Horní Nr. 153 um das Jahr 1613 zu nutzen. Theatervorstellungen waren oft mit dem Rezitieren von Gedichten oder mit Rednerübungen verbunden. Die Schulsemester endeten oft mit einer Theatervorstellung und gute Leistungen der Schüler prämierte man gewöhnlich mit besonderen Preisen. Unter den Dramatikern war noch am Ende des 16. Jahrhunderts Mikuláš Salius aus Prag von Bedeutung, der nach Český Krumlov im Jahre 1586 kam. Von seinen Spielen ist sein erfolgreiches, aber nicht erhalten gebliebenes Drama über den Hl. Wenzel bekannt, das Spiel über den Hl. Veit wurde angeblich im Jahre 1590 aufgeführt. Eine weitere bedeutende Persönlichkeit war Theofil Crysteccus, im Jahre 1601 Rektor des Krumauer Jesuitenkollegs. Seine Berühmtheit sieht man am besten an der Tatsache, daß er im Jahre 1611 auf den kaiserlichen Hof nach Wien eingeladen wurde, dort seine Tragikomödie aufzuführen.

Titelblatt der Komödien von Terentius aus dem Jahre 1499

Auf dem Hof des Jesuitenkollegs wurde im Jahre 1613 ein Holztheater mit einer beweglichen Bühne errichtet, das erst in der Mitte des 17. Jahrhunderts in ein gemauertes, zu diesem Zweck umgebautes Gebäude umgezogen ist. Im Jahre 1663 wurde ein umfangreicher Umbau der Inneneinrichtung des Objektes vorgenommen. Die Theaterräume nahmen schon damals fast den ganzen 1. Stock des Gebäudes ein. Die Vorstellungen im Jesuitenkolleg verwendeten biblische Thematik, Themen aus der Geschichte der Kirche oder aber sie führten ausgedachte gefühlsbetonte, religiös und moralisch wirkungsvolle Geschichten auf. Als Sprache verwendete man Latein. Man spielte im Theater oder auf improvisierten Bühnen, im Jesuitenkolleg oder auf dem Schloß, in einigen Fällen wurde auch die Gasse Horní sowie der Stadtplatz in Anspruch genommen. Seit der 2. Hälfte des 17.Jahrhunderts stieg in der Schloßgesellschaft das Interesse für weltliche Theaterthematik und das Jesuitentheater konnte diese Ansprüche inhaltlich nicht mehr befriedigen.

Nach der Auflösung des Jesuitenordens am Ende des 18. Jahrhunderts diente das Gebäude weiterhin für Schul- und Theaterzwecke. Die Theaterräumlichkeiten vermietete die Stadt an verschiedene Theatergesellschaften, die gelegentlich nach Český Krumlov kamen. Zu größeren Umbauten der Inneräume kam es in den Jahren 1808-1812. Als es im Jahre 1810 gelang, das Objekt mit hohen Kosten zu erneuern und die Theaterbühne und den Zuschauerraum zeitgemäß schön einzurichten, wurden die meisten Ausgaben aus dem Erlös von den früheren Vorstellungen bezahlt. Das Theater hatte damals für die Stadt eine zweifache Bedeutung: erstens bereicherte es das sonst bescheidene kulturelle Leben und weiters unterstützte man mit dem Erlös aus seiner Tätigkeit die hieisigen Armenanstalten, die Abgebrannten und die Schulen.

Der erste Laientheaterverein entstand in der Stadt im Jahre 1852, nach einem anderen Bericht erst im Jahre 1854. Mitglieder des Vereins waren vor allem Bürger und Handwerker.

Im Theater fanden bereits im vergangenen Jahrhundert Konzerte statt, da es in der Stadt keine besseren Räumlichkeiten zu diesem Zweck gab. Eines der ersten Konzerte fand dort im Jahre 1856 anläßlich des 100. Geburtstages von W. A. Mozart statt. Später sang dort ein im Jahre 1856 gegründeter Männerchor.

Die Situation in der Theaterkultur änderte sich zum Positiven nach dem Jahre 1919. Dank dem Theaterdramatiker Hans Sassmann und dem Verein Südböhmische Schaubühne (Jihočeská divadelní scéna) begann in Český Krumlov ein ständiges Theater zu wirken, das zur Verbesserung des kulturellen und geistigen Lebens nicht nur der Stadt selbst, sondern des ganzen Böhmerwaldgebietes beitrug. Finanziell wurde das Theater von öffentlichen Geldern des Staates, der Stadt, aber auch von Förderern, wie z. B. vom Unternehmer I. Spiro, unterstützt.

Die eigentliche Theatersaison dauerte in Český Krumlov sechs Monate. Außerdem waren die Mitglieder des Ensembles berechtigt, nach regelmäßig erteilten Konzessionen auch in weiteren süd- und westböhmischen Städten zu spielen - in Kaplice, Nová Bystřice, Vimperk, Nýrsko, Volary, Prachatice, Kašperské Hory und so weiter.

In den Jahren 1929-1930 beschäftigte das Stadttheater in Český Krumlov 22 Schauspieler, 14 Musiker und 15 technische und Hilfskräfte. Später noch einige Personen mehr.

In jeder Saison führte das Theater viele Vorstellungen aus dem Bereich der klassischen Dramen, Volksspiele, Opern, Operetten, Konzerte und einige für Kinder bestimmte Spiele auf. Die Vorstellungen waren relativ viel besucht - z. B. in der Saison 1928/29 sahen sich das Programm insgesamt 25 000 Personen an. Im Theater standen 440 Plätze zur Verfügung.

Stadttheater in Český Krumlov

Außer dem eigenen Programm der ständigen Theaterszene wurde im Stadttheater eine ganze Reihe von Vorstellungen anderer Schauspielensembles aufgeführt. Es fanden hier Vorstellungen des Südböhmischen Nationaltheaters aus České Budějovice statt, im Jahre 1934 beehrte Český Krumlov mit seinem Besuch das künstlerische Puppentheater von Professor Josef Skupa aus Pilsen und es wären noch weitere Gastensembles anzuführen.

Seinem Zweck diente das Gebäude des Stadttheaters in Český Krumlov auch nach dem Jahre 1945, und zwar bis zum Anfang der 70er Jahre. Damals wurde im Rahmen der Sanierung der Gebäude in der Gasse Horní beschlossen, daß das Theatergebäude zu diesem Zweck nicht mehr geeignet ist und daher als Bestandteil eines Hotels genutzt wird. Die letzte Theatervorstellung fand im Gebäude, wo man länger als 300 Jahre Theater spielte, am 27. März 1971 statt.

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(vm)