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Brauereigarten in der Stadt Český Krumlov

Dieser Garten befindet sich am linken Ufer der Vltava (Moldau) im Stadtviertel Latrán in der Nähe der Brauerei Eggenberg ( Latrán Nr. 27). Ihr Grundstück hat die Form eines unregelmäßigen Rechtecks, die Länge beträgt 200 Meter, die breiteste Stelle ist 75 Meter. An der nördlichen Seite ist der Garten durch eine Mauer abgegrenzt, die den Garten von der Pivovarská-Gasse trennt. Am ehemaligen Haus des Gärtners biegt die Grenze in südlicher Richtung ab und führt entlang der Hoffassaden der Bürgerhäuser. In der westlichen Richtung ist der Garten durch eine Mauer von der Gasse Na fortně getrennt. Die Südseite des Gartens wird durch einen Bogen der Stadtmauer bis zur Ecke der Brauereigebäude gebildet, die den Garten auch an seiner kürzesten Seit im Osten abschließt.

Český Krumlov, Brauereigarten, Luftaunahme

Außer den Abgrenzungsmauern und dem Eintrittstor aus der Pivovarská-Gasse befinden sich im Garten noch das Haus des Gärtners, eine künstliche Höhle (Grotte) und an der nördlichen Wand die Reste der Glashäuser, des Feigenhauses sowie der Orangerie. Der Garten wurde ursprünglich als der "Untere Garten in Nové Město (Neustadt)" bezeichnet, heute ist er als "Pivovarská zahrada" (Brauereigarten) bekannt.

Die Anfänge des Gartens gehen in das 16. Jahrhundert zurück. Die Witwe nach Jobst III. von Rosenberg, Anna von Rosenberg, geb. von Rogendorf, die einen ruhigen Platz für ihren Witwensitz suchte, kaufte im Jahre 1547 das Haus in Nové Město (Neustadt) auch mit dem Garten und später erwarb sie dazu ein weiteres Haus und vier bürgerliche Gärten. So bekam langsam der Garten die heutige Fläche (sie beträgt 1,04 Hektar), aber über seine Gestalt zur Zeit von Frau Anna (sie starb im Jahre 1562) gibt es keine klaren Nachrichten.

Zur Blütezeit des Gartens in Nové Město (Neustadt) kommt es erst während der Regierung ihrer Söhne - Wilhelm und Peter Wok von Rosenberg. Die Archivquellen aus ihrer Zeit verraten bereits mehr, im Jahre 1597 wird zum Beispiel der Bau eine Voliere (sog. "Foglhaus") angeführt.

Das Übergabeurbar des Krumauer Dominiums aus dem Jahre 1600 bezeichnet den Garten ausdrücklich als "entzückend", in dem Orangen-, Zitronen-, Feigenbäume sowie andere Bäume angebaut wurden. Im Garten wurden in drei Fischbehältern Forellen sowie andere Fischarten gezüchtet. In der Mitte des Gartens stand ein steinerner Wasserbehälter. Einen Bestandteil des Gartens bildete das Haus des Gärtners sowie zwei Gartenhäuser (Lusthäuser).

Abbildung eines Pfirsichs aus dem Mattioli-Herbar aus dem Jahre 1562 Im Jahre 1601 ging das Dominium Český Krumlov in den Besitz des Kaisers Rudolf II. von Habsburg über. Ein Jahr danach wurde das Inventar der Bäume und Blumen angeschafft, die im Garten angebaut wurden. Außer der Liste der Arten bietet das Inventar auch Angaben über die Innenaufteilung der Fläche des Gartens in fünf Abteile, bzw. Boskette ("Zwinger") und ein Glashaus. Ihre genaue Beschreibung ist eine unikate historische Quelle, die unter anderem die Aufmerksamkeit beweist, die die letzten Rosenberger dem Garten gewidmet haben.

Im Glashaus wurden die bereits erwähnten exotischen Obstarten, weiters Lorbeerbäume, Quitten, Zypressen, Rosen sowie weitere Pflanzen angebaut. Im vorderen, mit Immergrünhecken gesäumten, Zwinger wuchsen Mispeln, Kirschbäume, ein Pfirsichbaum, Pflaumenbäume, aber auch Heilkräuter - Melisse, Salbei, Pfefferminze, Lavendel - und Blumen.

Auch der zweite Zwinger war mit einer ähnlichen Mischung von Obstgehölzen und Blumen bestückt. Der dritte Zwinger wurde von einem mit Immergrün gestalteten Labyrinth gebildet, wieder mit Obstbäumen und Blumen ergänzt.

Im vierten mit Immergrün umsäumten Zwinger wurde Pflaumen-, Ringlotten-, Weichsel- und Kirschbäume aber auch Blumen, Heilkräuter sowie einige Gemüsearten angebaut.

Weiter folgte das sog. Vogelhaus (foglhaus), in dem Haselhühner, Berghühner, Turteltauben, Amseln, Krammetzvögel und viele andere Vögel gehalten wurden. Um die Voliere herum wuchsen Rosen, Johannisbeersträucher, Kraut und Erdbeeren. In der Nähe befand sich ein Brunnen, in dem Forellen gezüchtet wurden.

Der fünfte Zwinger, der sog. Küchengarten, diente zum Anbau von Gemüse. Auch hier wuchsen Obstbäume.

Aus dem Inventar geht zwar hervor, daß der Garten in Nové Město (Neustadt) eine bestimmte Kompositionsabsicht nicht vermißte, und daß er auch einige für die Renaissancezeit typische Elemente beinhaltete, wir z. B. die Aufgliederung in mit kleinen Hecken aus Immergrün gesäumte Bosekette, Labyrinthe, Volieren sowie einen Wasserbehälter. Nichts desto weniger erreichte der Krumauer Garten die formelle Reife des Prager Königlichen Gartens sowie weiterer bekannten Renaissancegärten in den böhmischen Ländern nicht. Dies wurde wahrscheinlich durch den unregelmäßigen Umriß des Grundstückes verursacht, der eine regelmäßige geometrische Gartenkomposition erschwerte, was für die damaligen Gärten charakteristisch war.

Český Krumlov, Brauereigarten, Ansicht vom Fluss Vltava (Moldau)

Im folgenden Zeitraum wurde dem Garten keine fachkundige Pflege gewidmet, da bereits nach einem Jahr der neue Gärtner Medard Vobr der kaiserlichen Kammer meldet, daß der Garten sehr verwildert ist.

Ein Bericht aus dem Jahre 1613 zweifelt die Begründung des Anbaues mancher Gehölze an (Weinrebe wird nicht reif, Granatenapfelbäume tragen nichts usw.). Der Garten diente in der damaligen Zeit vor allem zum Anbau von Gemüse für die Schloßküche.

Im Jahre 1622 geht das Dominium Český Krumlov an Johann Ulrich von Eggenberg über. Nach der unruhigen Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die über den Garten in Nové Město (Neustadt) keine Nachrichten hinterließ, kommt die nächste Quelle aus dem Jahre 1654, als der Gärtner Matyáš Ländl die im Garten angebauten Pflanzen beschrieb. Außer den bereits im 16. Jahrhundert üblichen angebauten Blumen führt die Liste Pelargonien, Clematis, Krokusse, Tulpen und Narzissen an. Von den Nutzpflanzen werden ausdrücklich die Weinrebe und Mais angeführt. Im Glashaus wurden Hibiskus, Myrrhe, Passionsblume, Aloe und Opuntie gepflegt.

Aus dem Jahre 1668 stammt wahrscheinlich die Grotte (künstliche Höhle) im südlichen Winkel des Gartens. Es handelt sich um einen einfachen Bau mit einer Nische, die mit künstlichen Tropfsteinen geschmückt ist. In der Nische ist ein steinerner Maurenkopf.

Die umgebende Mauer entlang des Vltava(Moldau)-Ufers war am Anfang des 18. Jahrhunderts in keinem guten Zustand - die damaligen Berichte sprechen von häufigen Überschwemmungen des Gartens in Nové Město (Neustadt), der damals "der untere Garten in Nové Město (Neustadt)" genannt wurde, im Gegensatz zu dem oberen Garten, d. h. dem heutigen Schloßgarten in Český Krumlov, der nach dem Jahre 1678 gegründet wurde.

Nachdem die Schwarzenberger im Jahre 1719 nach Český Krumlov gekommen waren, verlor der Garten in Nové Město (Neustadt), auch Küchengarten genannt, schnell an seiner Bedeutung. Dazu trug nicht nur die Entfernung des Gartens vom Schloß bei, sondern auch die Nähe der fürstlichen Brauerei. Bereits seit dem Jahre 1726 wurden auch einige Teile des Gartens an die höfischen Beamten als Deputatgärten zugeteilt.

Trotzdem wurde die Einrichtung des Gartens gewartet, restauriert wurden das alte Fikushaus, ein Gartenhaus und dazu wurde auch noch ein Glashaus zum Anbau von subtropischen Pflanzen erbaut. Im Jahre 1748 wurden im Garten ein Treibbeet und zwei Jahre später ein Glashaus für das Anbauen von Ananas errichtet. Zur gleichen Zeit wurden Glashäuser und Treibbeete im oberen Küchengarten Na plášti (Auf dem Mantel) gebaut (in der heutigen Vorratsgärtnerei) - diese zwei Gärten versorgten den fürstlichen Hof mit Obst, Gemüse und Blumen.

Aus einem Plan aus dem Jahre 1780 geht hervor, daß der Obrigkeit etwa ein Viertel der Gartenfläche, das Haus des Gärtners, Treibbeete, ein Glashaus, ein Feigenhaus, eine Orangerie sowie auch eine Obstbaumschule zur Nutzung bleiben.

Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es Nachrichten über die Sanierung des Fikushauses, das damals zum Überwintern der Topfblumen diente.

Die Glashäuser wurden im Jahre 1870 aus Spargründen aufgelöst und das Grundstück des ehemaligen fürstlichen Gartens wurde als Kleingärten vermietet. Dieser Zustand dauerte bis in die 90er Jahre unseres Jahrhunderts. Zur Zeit befindet sich der Garten im Besitz der benachbarten Brauerei Eggenberg und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

(jo)

Weitere Informationen:
Archäologische Untersuchungen im Brauereigarten