Enzyklopädie > Stadt Český Krumlov > Geschichte der Stadt Český Krumlov > Geschichte der Kultur in der Stadt Český Krumlov > Architektur in der Stadt Český Krumlov

Sonnenuhren in der Stadt Český Krumlov

Geschichte und Entwicklung der Zeitmessung

Das Messen der Zeit und die Teilung des Jahres in kürzere Abschnitte entwickelte sich gemeinsam mit der Menschheit von der einfachen Unterscheidung von Tag und Nacht, über die Aufteilung in die Jahreszeiten bis zu der Teilung der grundlegenden Zeiteinheit unserer Vorahnen - einen Tag. Die Entwicklung der Gesetzmäßigkeiten der Bewegung Planeten sowie das Wissen um die Bahn der Sonne halfen, die Entwicklung der zeitmessenden Systeme zu beschleunigen.

An der Bildung und Verbreitung der Sonnenuhren beteiligten sich vor allem die kirchlichen Orden. Noch im 17. und 18. Jahrhundert dienten die Sonnenuhren zur Ausschmückung der Fassaden bedeutender Objekte. Die Lehre über die Sonnenuhren - die Gnomonik wurde noch im 18. Jahrhundert an einigen Universitäten gelesen.

Horní Nr. 154, Hotel Růže, Grafik der astronomischen Sonnenuhr an der südlichen Fassade des Objektes

Die Grundlage für das Messen der Zeit mittels Sonnenuhren ist die Bewegung des in der Regel mit einem Stab geworfenen Schattens bei sonnigem Wetter auf eine helle Fläche, die mit einem entsprechenden Zifferblatt versehen ist. Der Schatten ersetzt dabei den Uhrzeiger, der eigentlich von der sich bewegenden Sonne betrieben wird. Die Unterbringung der Sonnenuhren im Stadtkern ist sehr schwierig und sie kommen besonders an großen Mauern, oft an kirchlichen Objekten, Türmen u. a. vor, die südlich oder südöstlich ausgerichtet sind. An westlich oder nördlich ausgerichteten Wänden kommen sie nur selten vor.

Die Konstruktion des Zifferblattes hängt einerseits davon ab, in welche Himmelsrichtung die Wand ausgerichtet ist, anderseits an der Form des Zeigers, des sog. Stylus (aus dem Griechischen "stylos" - Stab), der den Schatten auf das Zifferblatt wirft. Stylus ist entweder ein in die Mauer waagrecht rechtwinkelig oder schräg, und zwar gleichlaufend mit der Erdachse eingesetzter Stab. Den schiefen Stylos, der mit der waagrechten Ebene den dem örtlichen geographischen Breitegrad entsprechenden Winkel einschließt, nennt man Polos.

Beschreibung der Sonnenuhren in Český Krumlov

In Český Krumlov befinden sich fünf Sonnenuhren. Es sind hier sowohl Uhren mit Polos als auch mit einem Zifferblatt mit arabischen und auch römischen Zahlen vertreten. Es handelt sich um Halbhorologe, die die Zeit zweimal nach je zwölf Stunden zeigen. Alle Sonnenuhren von Český Krumlov sind südlich ausgerichtet.

Die schönste und auch komplizierteste Sonnenuhr befindet sich an der südlichen Front des Hotels Růže ( Horní Nr. 154), des ehemaligen Jesuitenkollegs, das nach dem Projekt des Jesuiten P. Alexander in den Jahren 1586-1588 Baldassare Maggi d´ Arogno erbaut hat. Diese originelle Sonnenuhr ist ein wirkliches "Sonnenhorolog", einzigartig in ganz Südböhmen. Den Fachleuten nach können mit ihr nur die Sonnenhorologe in Prag, vor allem im Klementinum konkurrieren.

Horní Nr. 154, Hotel Růže, astronomische Sonnenuhr an der südlichen Fassade des Objektes, foto:  V. Šimeček

Dieses Sonnenhorolog hat einen fünffachen länglichen Rahmen, der mit dem Zifferblatt eines Halbhorologs ausgefüllt ist. Das Zifferblatt ist von einzelnen Linien gebildet, die mit römischen Nummern versehen sind, mit entsprechender Aufteilung in Viertelstunden. Die Halbachse ist mit einem Ring versehen, dessen Schatten eine Reihe von Größen am inneren Zifferblatt zeigt. Das bilden vor allem Datenlinien (hyperbelförmig) mit einem Linienäquator in der Mitte. Das System der Datenlinien begrenzt unten der Wendekreis des Krebses, oben dann der Wendekreis des Steinbocks. Gelb sind die Breitenkreise mit schematischen Bildern einzelner Tierkreiszeichen gekennzeichnet. Wenn der Schatten auf eine entsprechende Breitenlinie fällt, tritt die Sonne in ein entsprechendes Zeichen ein. Eine weitere Art von Datenlinien gehört einerseits den Zeiten des Auf- (ORITUR) und Untergangs (OCCUMBIT) der Sonne, auf eine halbe Stunde auf- oder abgerundet (arabische Ziffern), anderseits der entsprechenden Länge der Tage zwischen den angeführten Zeiten des Auf- und Untergangs der Sonne (römische Ziffern). Bei der Renovierung im Jahre 1898 wurden sie wahrscheinlich hinter dem Rahmen mit den genauen Daten des Auf- und Untergangs ergänzt. Die roten Uhrenlinien und die roten arabischen Ziffern 11-1 kennzeichnen die sog. italienischen Uhren, die angeben, wie viele Stunden bis zum Sonnenuntergang bleiben. Die blauen Uhrenlinien, "babylonische" genannt, zählen die Stunden von dem Sonnenaufgang. Dazu gehören blaue Ziffern 1-5.

Das Horolog ist mit lateinischen Aufschriften geschmückt, die eine bedeutende Ergänzung der Ziffern sind. Die obere Aufschrift lautet frei übersetzt: "Gelbe, durch die Mitte der Sphäre geführte Linien bezeichnen, wie lang der Tag ist, und wohin sich die Sonne neigt. Die roten Linien zeigen, wie viele Tagesstunden bleiben, die blauen sagen aus, wie viele bereits vergangen sind". Diese Aufschrift dokumentiert die pädagogischen Bemühungen der Jesuiten-Professoren, den Schülern des Kollegs die Nutzung der Sonnenuhr näher zu bringen, da sie in Gnomonik unterrichtet wurden. Die großen Buchstaben in der Aufschrift sind gleichzeitig römische Ziffern, die die Jahreszahl 1662 angeben, die beweist, daß das vor dem Jahre 1600 entstandene Horolog ständig ergänzt und vervollständigt wurde. Dies bezeugen auch die Eintragungen über die Renovierung aus den Jahren 1602 und 1718. Die zweite lateinische, im unteren Teil angebrachte Aufschrift ist eigentlich ein "memento mori" und seine Übersetzung lautet: " In der Stunde, die du am wenigsten erwartest, kommt der Tod als Dieb, bereite dich vor, daß du seine Beute sein wirst. Wir klug ist derjenige, der seine Zeit fromm lebt und die Stunde seiner ungeahnten Pfeile fürchtet." Auch diese Aufschrift ist ein Chronogram, jede ihrer Doppelzeilen ergibt wieder die Jahreszahl 1662. In der Mitte liegt das Emblem der Jesuiten IHS sowie die damit zusammenhängenden Wörter SOL und LUCET. Das Ganze bedeutet dann in der Übersetzung "Jesus - Sonne - scheint". Im Gegensatz zu anderen Sonnenuhren sind sämtliche Angaben gut leserlich, deswegen wird diese Uhr zu den wirklichen gnomonischen Schätzen gezählt.

Eine weitere Sonnenuhr schmückt das Budějovická brána (Budweiser Tor), das in den Jahren 1598-1602 von Domenico Benedetto Cometta von Eckthurn erbaut wurde. Sie befindet sich an der südlichen, zur Stadt ausgerichteten Seite zwischen den Fenstern des ersten und zweiten Stockwerkes. Das Zifferblatt mit schwarzen arabischen Ziffern ist als ein Pergamenstreifen gestaltet. Polos geht von der Mitte der Sonne aus, die an der Fassade gemalt ist, und sein Schatten zeigt die Zeit von 7 bis 9 Uhr und von 2 bis 4 Uhr. Weitere gnomonische Angaben enthält die Uhr nicht.

Latrán Nr. 104, Budějovická brána (Budweiser Tor), Detail, die Sonnenuhr, foto:  Ladislav Pouzar

Drei Sonnenuhren befinden sich auf dem Areal der Burg und des Schlosses von Český Krumlov. Die einfachste können wir an der südlichen Stirnseite der ehemaligen Schloßbrauerei (Schloß Nr. 65 - Brauerei) auf dem I. Schloßhof sehen. Sie wird nur vom Polos gebildet, von dem Strahlen zu den römischen Ziffern ausgehen, die die Stunden bezeichnen. Leserlich sind heute nur noch die Ziffern X, XI, XII. Alles in schwarzer Farbe ausgeführt. Oberhalb der Uhr ist in der Sgraphito-Fassade die Jahreszahl 1690 angeführt, die ihre Entstehungszeit bezeugt.

Schloss Nr. 65 - Brauerei, Sonnenuhr auf der Fassade des Objektes, Foto: Martin Švamberg

An der Frontwand des Gebäudes Schloß Nr. 59 - Schmalzkasten auf dem II. Schloßhof gibt es schon eine dekorativere Uhr. Sie hat eine längliche Form, abgegrenzt durch einen plastischen Stukkaturrahmen. Es handelt sich wieder um eine Uhr mit Polos, das Zifferblatt beinhaltet römische Ziffern. Das System der Datenlinien ist im Grunde einfacher als bei der Uhr am ehemaligen Jesuitenkolleg. Die Uhr ist funktionsfähig, jedoch ziemlich verwaschen und stellenweise unleserlich.

Schloss Nr. 59 - Schmalzkasten, Stirnseite vom II. Hof des Schlosses Český Krumlov

An der Stirnwand des Gebäudes Schloß Nr. 177 - sog. Renaissance-Haus auf dem fünften Schloßhof befindet sich eine mit Passepartout abgegrenzte Sonnen Uhr mit Polos, inhaltlich der Uhr an dem heutigen Hotel Rose ähnlich, jedoch einfacher. Ihre Besonderheit besteht in dem Bild, das in der linken unteren Ecke untergebracht ist. Sein Motiv ist heute leider nicht mehr bekannt, aber es könnte sich um die Abbildung von Český Krumlov handeln.

Schloss Nr. 177 - das sog. Renaissancehaus, Sonnenuhr an der südlichen Stirnseite

(ju)