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Horní Dvořiště und Präsident Tomáš Garrigue Masaryk

Karel Čapek schrieb: "Masaryks Weltpopularität ist nicht aktuell, weil sie dauerhaft ist. Sie liegt nicht darin, dass die Welt von ihm oft hört, sondern darin, dass Masaryks Persönlichkeit mit einer gewissen stillen Selbstverständlichkeit in Erfahrung sowie Vorstellungskraft einer gebildeten Welt überging... Ihr Masaryk wird auch in hundert Jahren gesagt werden, während 999 von tausend Staatsmännern und Herrschern nur Namen für Historiker sein werden". Am 14. November 1918 trat die revolutionäre Nationalversammlung in Prag zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Der Ministerpräsident Doktor Karel Kramář sagte hier unter anderem: "Alle Bande, die uns an die Dynastie Habsburg-Lothringen knüpften, sind zerrissen ! Die Dynastie Habsbursg-Lothringen verlor alle Ansprüche auf den böhmischen Thron. Und wir erklären frei, dass unser tschechoslowakische Staat die freie Tschechoslowakische Republik ist. Und um all das zu ergänzen, bitte ich Sie, zum ersten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik Tomáš Masaryk zu wählen." Alle standen auf und ein unendlicher Beifall stürmte durch den Sitzungsraum, sodass Doktor Karel Kramář den denkwürdigen Satz sagen konnte: "Ich rufe also Professor Masaryk zum einmütig gewählten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik aus."

Am Samstag, dem 16. November 1918 veröffentlichte eine Newyorker Zeitung die Nachricht über die Wahl T.G. Masaryks zum Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik und am 20. November 1918 betrat Präsident Masaryk den Bord des Schiffes Carmenia im Newyorker Hafen. In die freie Heimat kam er über London, Paris und Italien. Den ganzen Weg begleitete T.G. Masaryk seine Tochter Olga. Am sechzehnten Dezember 1918 stieg Präsident Masaryk im italienischen Battaglia um drei Uhr nachmittags in einen Militärsonderzug zur Rückfahrt nach Prag ein. Der Zug fuhr über Vicenza, Verona, Alla, Trento, Bolzano, Brixen, Franzensfeste, Toblach, Lienz, St. Michael, Selztal, St. Valentin und Gaisbach zu der neuen tschechoslowakisch - österreichischen Grenze. Am Donnerstag, dem 19. Dezember 1918 vormittags kamen Mitglieder der Nationalversammlung und Minister mit einem Sonderzug nach České Budějovice und nachmittags fuhren sie die ganze Strecke bis zur Grenze, wo eine Ehrenpforte gebaut wurde. In Horní Dvořiště warteten auf den Präsidenten T.G. Masaryk auch die Soldaten der 3. Kompanie des 33. Regiments unserer Legionäre aus Italien.

Die Eisenbahnstation an der Grenze in Horní Dvořiště, Quell: Album starých pohlednic Českokrumlovsko, Roman Karpaš, Jiří Záloha, 2001, ISBN - 80 - 86424 - 8

In der Zeitung Národní listy stand am 21. Dezember 1918 unter anderem: "Es war am 20. Dezember kurz vor eins nachmittags, als der erste Präsident der Tschechoslowakischen Republik die Grenze der tschechoslowakischen Länder passierte, die er vor vier Jahren, am 19. Dezember 1914 verließ, und genau an dieser Stelle die Grenze überschritt als politischer Auswanderer...Nach eins kam bei großer Spannung aller Anwesenden die bekränzte Lokomotive des Präsidenten Doktor Masaryk zum Bahnhof. Hier reihte sich die tschechische Nationalversammlung nach der politischen Angehörigkeit, die Sokol-Mitglieder, die Ehrenwache hielten, nahmen ihre Stelle ein, ebenfalls die Kompanie unserer Soldaten, die Musikgruppe spielte bei der Erscheinung des Zuges die Nationalhymne Kde domov můj. ...Der Zug des Präsidenten bestand aus zwei Dienstwagen, weiter aus drei Salonwagen, vier Wagen der ersten Klasse, fünf Personalwagen und schließlich drei Lastwagen, insgesamt aus 17 Wagen. ...Nach der Begrüßung sagte Präsident T.G. Masaryk unter anderem: "Alles, was wir unternommen haben, was wir erreicht haben, haben wir durch wirklich gute Arbeit erreicht. Ich bin mir sicher, dass wir das, was wir erreicht haben, auch erhalten, ergänzen und vervollkomnen. Es erwartet uns noch viel Arbeit, wohl schwerere Arbeit als bisher und ich lade jeden zu dieser Arbeit ein, die uns gemeinsam sein muss". ... Präsident Masaryk schaute die Ehrenkompanie an, stieg wieder in seinen Zug ein, wohin ihm anwesende Mitglieder der Nationalversammlung folgten, um ihn nach České Budějovice zu begleiten..."

Dadurch, dass die Eisenbahnstation Horní Dvořiště nach der Entstehung der selbstständigen Tschechoslowakischen Republik zur Grenzstation an Österreich wurde, gewann die hiesige bisher kleine Station an Bedeutung. Es kam zur Errichtung eines Zollhauses, zum Umbau des Bahnhofes und zum intensiven Bau neuer Wohnungen für tschechische Angestellte. Zu Beginn des Jahres 1920 wurden hier die Böhmerwalder Nationaleinheit und Sokol gegründet und am 21. September 1920 wurde hier der Unterricht in einer tschechischen einklassigen Volksschule eröffnet. Nach einem Jahr wurde die tschechische Schule um eine weitere Klasse erweitert und am 9. September 1923 wurde der Grundstein einer neuen tschechischen Schule gelegt. Schon ein Jahr später, am 7. September 1924 wurde die Schule, die den Namen T.G.-Masaryk-Schule bekam, geöffnet. Dieser Name wurde ihr direkt vom Präsidenten verliehen, als eine Erinnerung an seine Betretung des Bodens der Tschechoslowakischen Republik. Dieser Name der Schule war zwei Diktaturen, der faschistischen und der kommunistischen ein Dorn im Auge. Nach November 1989 kehrte dieser Name in die Schule in Horní Dvořiště zurück, gleich wie die Gedenktafel am Bahnhof, die daran erinnert, dass Präsident T.G. Masaryk den Boden der Tschechoslowakischen Republik gerade hier in Horní Dvořiště betrat.

(fs)

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Horní Dvořiště
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