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Bier und Brauereien in Vyšší Brod

Bierbrauen, Quell: Dějiny českých zemí, Josef Harna, Rudolf Fišer, 1995, ISBN - 80 - 7168 - 285 - 3 Bier wurde im Mittelalter nicht nur für ein Getränk, sondern auch für ein relativ billiges und sättigendes Gericht gehalten. Am Anfang wurde Bier zu Hause gebraut und die primitive Hausbrauerei bestand aus einer Pfanne oder aus einem Kessel. Eine Brauerei im Vyšebroder Zisterzienserkloster wird zum ersten Mal bereits im Jahr 1380 angeführt und Bier brauten die Mönche selbst. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts werden als Klosterbrauer Mikuláš, Jakub und Friedrich angeführt. Der Vyšebroder Pfarrer, der zu den Mönchen nicht gehörte, bemerkte zum Bedauern: "Der Umfang der Vyšebroder Pfarrei musste ausgedehnt sein und der hiesige Pfarrer musste alle Mühe verwenden, während es den dortigen Mönchen am Wald schon besser geht. Dort braust bereits der Gerstensaft und fließt in den Keller."

Das Braurecht war eines der Wirtschaftsprivilegien eines jeden Bürgers. Seine Rentabilität wurde mit dem Meilenrecht gewährleistet, das verhinderte, dass in der Nähe der Stadt Mälzereien, Brauereien und Schenken entstehen, die den Bürgern oder der Obrigkeit nicht gehörten. Der Vyšebroder Abt Christodor Knoll gab mit Zustimmung Johans von Rosenberg am 24. August 1524 den Bürgern und Bewohnern des Marktfleckens Vyšší Brod ein Privileg, wo im fünften Punkt steht: "Innerhalb einer Halbmeile darf keiner von den Bewohnern der zu unserer Kirche gehörenden Dörfern Bier zum Verkauf anbieten oder Malz herstellen, sondern er darf nur so viel, was er selbst für sein Haus braucht, nach Recht haben."

Aber bereits am 5. Februar 1531 beschloss Johann von Rosenberg im Streit des Marktfleckens Vyšší Brod mit Studánky hinsichtlich des Brauwesens so: "Den Reichen und Armen in Studánky erlauben wir gnädig und stimmen gnädig zu, dass sie in ihren Häusern für ihren Bedarf Malz herstellen dürfen, dass sie zum Nutzen ihrer Gäste Bier brauen sollen, und zwar für ewige Zeiten, ohne dass deswegen Beschwerden und Missverständnisse mit Vyšší Brod entstehen. Sie dürfen jedoch kein Bier ausschenken oder zum Verkauf anbieten, das ist ihnen völlig untersagt." Auch die im Jahr 1540 herausgegebenen Artikel für Richter und Untertanen betonten, dass die Untertanen "zu ihrem Trunk und für das Gesinde Bier brauen dürfen, wieviel sie wollen, niemand darf jedoch Bier ausschenken oder verkaufen, ausgenommen, er hätte dazu eine besondere Erlaubnis."

Dieses Prinzip galt in Böhmen seit der Zeit des Königs Georg von Podiebrad und wurde durch den Beschluss des Landtags bereits im Jahr 1479 erklärt. Die Bürger brauchten bis zu dieser Zeit keine besondere schriftliche Zustimmung der Obrigkeit zum Betreiben des Brauwesens. Sie mussten nur regelmäßige Gaben und Gebühren entrichten. Es waren Gebühren für Bierbrauen, Ausschenken, von einer Schenke und für die Ausstellung von Bier zum Verkauf auch Bierfassgeld. Die Zahlungen vom Brauwesen waren ein begrüßter Beitrag in die Zisterzienseklosterkasse. Deshalb hinderten die Mönche die Bürger nicht, das Bier in ihren Dörfern zu verkaufen, im Gegenteil, sie verpflichteten die Untertanen in den Dörfern, das Bier von ihnen zu nehmen. Sie durften kein fremdes Bier konsumieren. Meisten wurde eine Pinte (etwa ein Liter) für zwei Heller verkauft und vierzehn Heller waren ein Groschen. Für zwei Heller wurden auch Brot oder 14 Eier verkauft. Auch Wein war in dieser Zeit ungefähr so teuer wie Bier. Es wurde vor allem "dunkles" Bier aus Gerste gebraut und sein Verbrauch, wie es schon in Böhmen pflegt zu sein, war schon damals sehr hoch. In den Anmerkungen zu Březans Leben Wilhelms von Rosenberg steht: "Der riesige Bierverbrauch in Böhmen (für das 16. Jahrhundert auf 200 Liter pro Person jährlich einschließlich Kinder geschätzt) war eine Folge des Verzehrens von Bier als eines der elementaren Lebensmittel, wortwörtlich flüssiges Brot."

Zeitgenössische Abbildung eines Brauers, Quell: Toulky českou minulostí II, Petr Hora, 1991, ISBN - 80 - 208 - 0111 - 1 Die ursprüngliche Anarchie des Hausbrauens, als jeder Bürger, der brauberechtigt war, jede beliebige Menge Bier in seinem Haus braute, wurde durch eine feste Ordnung ersetzt, nach der sie brauen durften, nur wenn sie an der Reihe waren. Nach dieser Ordnung schenkten sie auch das Bier aus, das sie brauten. Bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam es in Vyšší Brod zur Errichtung der "Brauhäuser," wo Brauer Bier für die einzelnen Brauberechtigten brauten. Die ersten Vyšebroder Brauer waren die Mitglieder der Familie Mälzer. Als der erste wird in den Jahren 1525, 1530 und 1534 Jakob Mälzer angeführt. Sowohl in der Stadt-, als auch in der Klosterbrauerei wurde in Vyšší Brod dunkles oder auch rotes Bier gebraut. Es war aus Gerste, von leichterem bitterlichem Geschmack und es wurde behauptet, dass es Blut reinigt. In der Klosterbrauerei wurde für den Abt und seltene Gäste auch "blasses Weizenbier" gebraut, das "dick, nicht zu süß, nicht bitter war." Rohstoffe zum Bierbrauen waren am Ort einschließlich Hopfen, der auf dem Ölberg und im Tal von Hvězdná angebaut wurde. Im Jahr 1576 ersucht Wilhelm von Rosenberg den Vyšebroder Abt, ihm das Schenkrecht in vielen Dörfern des Klosters auf seine Lebenszeit abzutreten, um seine Einkommen verbessern zu können. Wie der Klosterchronist vermerkte: "litt dieser rosenbergische Herr unter Geldmangel."

Seit 1577 bezahlte die Stadtbrauerei in Vyšší Brod dem Kloster eine Pauschalgebühr von 60 Schock Meißner Groschen jährlich. Der Vyšebroder Abt Georg II. Taxer ließ im Jahr 1584 auch ein neues Klostergasthaus in Vyšší Brod bauen. Am siebzehnten August 1597 verpflichtete sich der Vyšebroder Abt Michael Fabritius Peter Wok von Rosenberg, zu seiner Lebenszeit auf den Klostergütern keine neue Brauereien, Mühlen und Teiche zu errichten. In der Urkunde Peter Woks von Rosenberg, die mit dem 14. Mai 1608 in Třeboň datiert ist, werden die Privilegien des Marktfleckens Vyšší Brod bestätigt und erweitert. Im Punkt sechs wird über Bier geschrieben: "Das nächste Mal, für ewige Zeiten, dürfen die Ratsherren und Bürger unseres Marktfleckens Vyšší Brod rotes und weißes Bier brauen, ebenfalls Malz herstellen und nach ihrem Willen Bier verkaufen, ohne dass wir oder die, die nach uns kommen, sie darin hindern, weder der Abt noch der Prior werden sich beschweren. Niemand wird jedoch (mit Ausnahme des Klosters) das Recht haben im Umkreis einer Halbmeile (böhmischen Meile = 7,53 km) von unserem Kloster Bier oder Malz herzustellen."

Im Jahr 1628 bezahlte der Stadtrat in Vyšší Brod für das Bier (Bierfassgeld) hundert Gulden rheinisch jährlich. In den Jahren 1627 bis 1642 war in Vyšší Brod Georg Kaidl Braumeister der Stadtbrauerei. Am achtundzwanzigsten März 1636 kaufte der Vyšebroder Abt Georg II. Schroff das Herrenhaus (Panský dům) vom Vyšebroder Bürger Georg Hammermüller für 900 Gulden und verwandelte es in ein Gasthaus. Als erster Gastwirt wird hier Michal Schulz angeführt. Ein weiteres Vyšebroder Gasthaus betrieb die Stadtbrauerei in ihrem Haus Nr. 79, wo in den Jahren 1653 bis 1690 Johann Mader Bier schenkte. Im Jahr 1651 wurde unter dem Abt Georg Wendschuh die Klosterbrauerei modernisiert und es wurde ein neuer Eiskeller gebaut.

(fs)

Weitere Information:
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