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Urzeitliche Siedlung in Novosedly bei Kájov


Im Jahr 1994 wurde zwischen den Gemeinden Kladenské Rovné und Kájov, nicht die ganzen 10 km westlich von der Stadt Český Krumlov entfernt, eine neue Straße gebaut. Beim Bau entdeckten die Archäologen etwa 400 m nordwestlich von der Gemeinde Novosedly Reste mehrerer Siedlungen unserer urzeitlichen Vorfahren (Abb. 2). In einem ca. 25 m breiten Streifen des abgedeckten Ackerbodens gelang es in einer Länge von etwa 180 m insgesamt 86 "Grubenobjekte" aus der Bronze- und Eisenzeit zu entdecken (Abb. 3). Die Archäologen des Südböhmischen Museums in České Budějovice untersuchten hier unter der Leitung Dr. Petr Zavřels im April bis Juni 1994 nach und nach insgesamt 57 größere Relikte urzeitlicher Bauten und Einrichtungen und 29 kleinere runde Löcher - Reste nach Säulen. Diese trugen wohl ursprünglich die Konstruktionen hiesiger Wohnhäuser.

Auf der Karte der Region Český Krumlov sind die bisher entdeckten Beweise der keltischen Besiedlung im 1. Jahrhundert vor Christus markiert (nach P. Zavřel): rote Punkte – Reste keltischer Siedlungen und vereinzelte Funde von Keramik; blauer Rhombus – keltisches Oppidum Třísov; orangefarbener Punkt – Lage der urzeitlichen Siedlung in Novosedly bei Kájov. Zeichnung von M. Ernée.
Abb. 1

Auf der Karte der Region Český Krumlov sind die bisher entdeckten Beweise der keltischen Besiedlung im 1. Jahrhundert vor Christus markiert (nach P. Zavřel): rote Punkte - Reste keltischer Siedlungen und vereinzelte Funde von Keramik; blauer Rhombus - keltisches Oppidum Třísov; orangefarbener Punkt - Lage der urzeitlichen Siedlung in Novosedly bei Kájov. Zeichnung von M. Ernée.

Siedlung aus der jüngeren Bronzezeit (ca. 1200-1000 vor Christus, Stufe HaA). Die ältesten in der Lokalität festgestellten Spuren der Besiedlung - Grubenwohnobjekte - gehörten den Angehörigen der Knovízer Kultur der jüngeren Bronzezeit. Es handelte sich um 18 in den Untergrund gegrabene Gruben verschiedener Form und Tiefe. Deren ursprüngliche Funktion gelang es bisher nicht genauer festzustellen. Sie konnten zum Beispiel als Lagerräume - Vorratsgruben dienen. Oder es können sog. Lehmgruben sein - Überbleibsel nach dem Lehmabbau. Der Lehm wurde einerseits zum Schmieren der aus Ruten geflochtenen Wände der Wohn- und Wirtschaftsbauten, andererseits zum Beispiel zur Keramikherstellung benutzt. Die Vorratsgruben sowie Lehmgruben dienten schließlich meistens auch als Abfallgruben - zum Wegwerfen der Abfälle und unbrauchbarer Sachen. Warscheinlich so gelangten in ihren Inhalt auch die meisten gefundenen Gegenstände, vor allem Bruchstücke der Keramikgefäße. Es wurden Teile großer Vorratsgefäße mit den durch Durchhauen geschmückten Rändern (Abb. 6 und 7 links) sowie Scherben von Schalen und Bechern gefunden. Von weiteren Funden sich die Bruchstücke des Mauerlehms - gebrannter Lehmverschmierung der Wände der Bauten erwähnenswert.

Ansicht von Kájov vom Süden, mit dem roten Pfeil im linken Teil ist ungefähr die Lage der urzeitlichen Siedlung markiert, Foto: P. Zavřel
Abb. 2

Im Grubenobjekt Nr. 17 (Abb. 5) gelang es neben fast hundert Scherben von Keramikgefäßen einen ausgedehnten steinernen Sturz zu entdecken und zu dokumentieren. Seine Funktion ist bisher nicht klar - es konnte sich um ein Überbleibsel einer Baukonstruktion oder um einen Rest einer absichtlich geschaffenen Fläche aus Steinen handeln, die ursprünglich zu einem Herstellungs- oder Bearbeitungsprozess diente. Unter den Steinen des Sturzes entdeckten die Archäologen auch einen Getreidebrecher.

Siedlung aus der Spät-Hallstattzeit (ca. 600-500 vor Christus, Stufe HaD). Auch nach der Siedlung aus der jüngeren Phase der älteren Eisenzeit blieben vor allem Gruben verschiedener Form und Tiefe. Sie waren insgesamt 12. Die Objekte konzentrierten sich im westlichen Teil der untersuchten Fläche und die Siedlung setzte sich auch außerhalb von ihr. In den untersuchten Objekten wurden fast ausschließlich Scherben von Keramikgefäßen gefunden. Auch in der runden Vorratsgrube (?) Nr. 8 (Abb. 8) wurde eine größere Menge von Keramikbruchstücken mit einer für diese Zeit typischen Verzierung. Als Beispiel kann uns eine Schüssel mit einem nach außen gebogenen Rand, geschweiften Hals und abgesetzten Körper (Abb. 7 links). Ihre Oberfläche wurde von beiden Seiten mit Grafit beschmiert, auf der Außenseite mit einer Reihe von Stempeln auf der Innenseite noch mit einem gestochenen Ornament verziert. Schade, dass aus einem ursprünglich so schönen Gefäß nur Scherben übrig blieben.

Plan der untersuchten Fläche der Siedlung nach P. Zavřel. Farbig sind die einzelnen chronologischen Phasen markiert. Zeichnung von M. Ernée.
Abb. 3

Siedlung aus der Spät-La-Téne-Zeit (ca. 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus, Stufe LtD). Die Zeit des Schlusses der keltischen Herrschaft - Zeit der Existenz der keltischen Oppida - ist in der Lokalität am meisten vertreten, und zwar was sowohl die Zahl und Qualität der untersuchten Objekte, als auch die Menge der Funde betrifft. In die Spät-La-Téne-Zeit gehörten insgesamt 23 größere Grubenobjekte, die fast gleichmäßig auf der ganzen untersuchten Fläche verteilt waren. Die keltische Siedlung setzte sich ohne Zweifel auch außerhalb der untersuchten Fläche fort, und zwar wahrscheinlich in allen Richtungen, und nahm eine Fläche von mehreren Hektaren ein.

Unter den Gruben verschiedener Größe, Form sowie ursprünglicher Funktion gelang es auch Überbleibsel eines einzigartigen und relativ gut erhaltenen Töpferofens zu untersuchen - Objekt Nr. 79 (Abb. 9-12). Der Ofen ist auch das einzige Objekt in der Lokalität, dessen ursprüngliche Funktion es gelang eindeutig zu bestimmen. Der in der Siedlung in Novosedly bei Kájov entdeckte Töpferofen gehört zum Typ der vertikalen Zweikammeröfen mit rundem Rost und zwei Luftkanälen. Ähnliche Öfen waren in den tschechischen La-Téne-Siedlungen wahrscheinlich ganz geläufig. In Südböhmen handelt es sich jedoch um den ersten Fund dieser Art. In der Destruktion des Ofens wurden fast 240 Keramikbruchstücke gefunden (Muster auf dem Bild 12), was 10% der sämtlichen Keramik von der Untersuchung darstellt. Außer der Töpferei betrieben die Kelten auch die Spinnerei, die die Funde von erdenen Spinnwirteln beweisen.

Ansicht der Fläche der Untersuchung, Foto: P. Zavřel

Obr. 4

Ansicht des Grubenhauses Nr. 17 mit steinernem Sturz. Jüngere Bronzezeit, Foto: P. Zavřel

Obr. 5

Die keltische Siedlung in Novosedly bei Kájov gehörte zum Hinterland des keltischen Oppidums Třísov (Abb. 1). Sie konnte jedoch auch aus der günstigen Lage am Steig durch das Tal des Flüsschens Polečnice nach Süden in das Donaugebiet profitieren.

Fund eines Teils eines Keramikgefäßes aus der jüngeren Bronzezeit im Objekt Nr. 22, Foto: P. Zavřel

Obr. 6

Keramikgefäß mit Henkel aus der jüngeren Bronzezeit aus dem Objekt Nr. 22 (links) und eine mit Stempeln und Gravur geschmückte Keramikschüssel aus der Spät-Hallstattzeit (rechts). Nach P. Zavřel

Obr. 7

Die Siedlung in Novosedly bei Kájov ist die südlichste und dank einer beträchtlichen Seehöhe von 560-570 m auch eine der höchstgelegenen urzeitlichen Siedlungen in Böhmen. Ihre Entdeckung im Jahr 1994 war auch die erste so umfangreiche moderne Untersuchung einer urzeitlichen Siedlung in der Region Český Krumlov. Trotz der beträchtlichen Seehöhe hat die Siedlung sonst in einer günstigen Lage auf einem sanften südöstlichen Abhang in der Nähe des Flüsschens Polečnice. Das periodische Interesse der urzeitlichen Ansiedler für die günstige Lage beweist nicht nur die Besiedlung aus mehreren urzeitlichen Zeiträumen, sondern auch das Vorkommen einer großen Menge urzeitlicher Keramik auf den umliegenden Feldern. Die Siedlung pflegte auf einer Fläche von vielen Hektaren zu stehen. Diese relativ große Siedlung beweist eine intensive Besiedlung dieses Teils der Region Český Krumlov wahrscheinlich im Verlauf der ganzen jüngeren Urzeit und das Bewohnen einer günstigen Stelle in einer landwirtschaftlich noch relativ nutzbaren Landschaft an einem Weg, der ohne Zweifel bereits seit der Urzeit entlang des Flüsschens Polečnice führte.

Eingelassene Vorratsgrube (?) Nr. 8 aus der Spät-Hallstattzeit. Nach P. Zavřel.

Obr. 8

Dokumentation des keltischen Töpferofens aus dem 1. Jahrhundert vor Christus im Terrain, Foto: P. Zavřel

Obr. 9

Die Siedlung in Novosedly bei Kájov gehört nicht zu den reichsten in Südböhmen. Neben den geläufigen Gruben verschiedener Formen und Größen, deren ursprüngliche Funktion in einer Reihe von Fällen unklar bleibt, ist das einzige wirklich interessante Objekt der keltische Töpferofen. Er beweist die Keramikherstellung direkt in der Siedlung. Von weiteren Handwerken ist die Textilienherstellung belegt und das Vorkommen der Getreidequetsche im Objekt aus der jüngeren Bronzezeit weist auch die landwirtschaftliche Nutzung der umliegenden Felder zum Getreideanbau nach. Ungewöhnlich ist vor allem die Abwesenheit der Tierknochen, die in den urzeitlichen Siedlungen gleich nach der Keramik die zweithäufigste Art von Funden zu sein pflegen.

Zeichnerische Dokumentation des keltischen Töpferofens – orangefarben ist der Rest eines Keramikrostes markiert, auf dem die gebrannten Töpfe standen. Nach P. Zavřel.

Obr. 10

Keltischer Töpferofen - Detail des erhaltenen Teils des erdenen Rostes, Foto: P. Zavřel

Obr. 11

Die Siedlung in Novosedly bei Kájov gehört zur Gruppe urzeitlicher Ansiedlungen und Grabstätten in dem am dichtesten besiedelten Gebiet in der Region Český Krumlov - in der Umgebung von Chvalšiny, Boletice und Kájov. Einige von ihnen wurden bereits vor dem Zweiten Weltkrieg der Chvalšiner Lehrer Karl Brdlik entdeckt und teilweis untersucht. Die Siedlung in Novosedly liegt bisher am südlichsten von ihnen und ist am meisten in das sich schließende Tal des Flüsschens Polečnice geschoben.

Keramik aus dem 1. Jahrhundert vor Christus, gefunden in der Destruktion eines Töpferofens. Nach P. Zavřel.
Abb. 12

Für Interessenten für eine tiefere Erkenntnis der Lokalität empfehlen wir sich mit der Publikation der Ergebnisse der archäologischen Untersuchung aus dem Jahr 1994 vertraut zu machen, die ihr Leiter Dr. Petr Zavřel im Jahr 1998 veröffentlichte (Zavřel, P. 1998: Předstihový výzkum sídliště z mladší doby bronzové, pozdní doby halštatské a pozdní doby laténské v Novosedlech u Kájova, okres Český Krumlov. (Vorsprunguntersuchung der Siedlung aus der jüngeren Bronzezeit, Spät-Hallstattzeit und Spät-La-Téne-Zeit in Novosedly bei Kájov, Bezirk Český Krumlov), Archeologické výzkumy v jižních Čechách 11, 7-51). Der Artikel enthält detaillierte Beschreibungen der einzelnen untersuchten Objekte sowie Funde und auch einen reichen Bilderanhang.

(me)

Weitere Informationen:
Archäologische Untersuchungen in der Region Český Krumlov
Urzeitliche Besiedlung der Region Český Krumlov
Keltisches Oppidum Třísov