Enzyklopädie > Region Český Krumlov > Geschichte der Region Český Krumlov > Geschichte der Region Vyšší Brod

Der Bau des Lipno-Stausees

Das Gebiet der Oberen Vltava war im Tertiär ein See. Zwischen der Teufelswand (Čertova stěna) und dem Berg Luč brachen die Wasserfluten den verwitterten natürlichen Damm durch und schufen ihr Flussbett. In den Chroniken der Gemeinden zwischen Frymburk und Vyšší Brod gibt es eine ganze Reihe von Nachrichten über Hochwasser und Überschwemmungen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Wahrscheinlich die größten waren in den Jahren 1740 und 1890. Der erste Schritt zur Nutzung der Energie des Flusses war das Holzschwemmen. Die zweite Weise der Nutzung der Oberen Vltava waren Mühlen und Hammermühlen, die es zwischen Frymburk und Vyšší Brod 23 gab. Die Geschichte des Lipno-Stausees beginnt nach dem großen Hochwasser im Jahr 1890, als im Jahr 1892 der Ingenieur Daniel eine Broschüre herausgab, in der er die Errichtung kleinerer Staudämme auf der oberen Vltava und deren Nebenflüssen vorschlägt, die Hochwasser und Überschwemmungen hindern sollten. Mit diesem Gedanken beschäftigte sich weiter der Landtag des Königreichs Böhmen und der Baurat Jan Jirsík schlägt im Jahr 1899 den Bau einiger Stauseen vor. Es kam auch zu Behandlungen dieses Projektes, aber die Landwirte waren nicht bereit ihre Grundstücke zu verkaufen.

Im Jahr 1920 kommt es zu einem weiteren großen Hochwasser, sodass der Gedanke des Baus eines oder mehrerer Stauseen wieder belebt, die das Wasser von der Frühlingsschneeschmelze im Šumava (Böhmerwald) auffangen würden. Im Jahr 1930 platzieren die Ingenieure des Landesamtes den Bau des Staudamms in ihren Plänen zum ersten Mal nach Lipno. Aber auch diesmal gelang es nicht die gedachte Überschwemmungsfläche abzulösen. Das Projekt des Staudamms in Lipno mit einer Kraftwerkturbine entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere nach der Aussiedlung der Deutschen und Nationalisierung der Loučovicer Papierfabrik. Der Bau des Staudamms und des unterirdischen Kraftwerks wurde im Jahr 1950 eröffnet und der Meister Bubla bezog mit seinen fünf Mineuren das Gasthaus Anna Houfkovás und deren Dynamitladungen rissen Granitfelsen und Klötze mit Wurzeln aus der Erde. Heute scheint es unwahrscheinlich zu sein, dass: die "Studenten SSM-Mitglieder" nach der Ankunft auf die Baustelle jeden Tag vor dem Beginn der Arbeit die SSM-Fahne auf den Felsen befestigten, die Hymne der demokratischen Jugend sangen und dann begannen mit Spitzhaken, Schaufeln und hölzernen Schubkarren den Felsen bei Frymburk für die künftige Stra¤e von Lipno nach Frymburk zu entfernen.

Mit dem Bau des Stausees ist auch die "staatsfeindliche Gruppe Zenáhlík" verbunden. Bei der Verhandlung vor dem Kreisgericht in Č. Budějovice wurden MUDr. Josef Zenáhlík im April 1954 zu vierzehn und der Hauptingenieur des Baus des Lipno-Stausees, Ing. Antonín Behemský für die "Bedrohung des Staatsgeheimnisses" zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Im Jahr 1953 wurden beim Bau des Staudamms unter der Leitung des bereits fünfundsechzigjährigen Caissonbauers Alois Voráček die einzelnen Caissons in den Boden des künftigen Stausees eingelassen. Gleichzeitig wurden Schächte der Dichtungsschürze gegraben und der Gravitationsblock wurde gebaut. Während eines einzigen Jahres wurden 130 tausend Kubikmeter Felsen, Erde und Granit ausgebrochen. Der Durchbruch, das ist immer ein festliches Ereignis für die Arbeiter. In der Nacht vom 10. auf den 11. Januar 1956 brachen die Arbeiter im Abfalltunnel den letzten Meter durch. Nach einem alten Brauch reichten sie einander durch den Durchbruch nicht nur Hände, sondern auch eine Flasche Rum zum Anstoßen. Dreieinhalb Jahre dauerte es, bis der Tunnel durchgebrochen, ausgehauen und gesprengt wurde. Dreieinhalb Jahre lang erlegte jeder Arbeiten ehrlich auf das Sparbuch unter dem Namen "František Prorážka (Franz Durchbruch)" sein Prozent vom Lohn und jetzt vertranken alle gemeinsam ihre Ersparnisse.

In der Überschwemmungszone des Stausees waren 550 Hektar Wald zu fällen. Das ist die Fläche von 550 Budweiser Stadtplätzen. Nur im Jahr 1956 wurden aus dem Sumpf 25 tausend Festmeter Holz gefahren. Im Oktober 1956 begann die Prager Firma Energovod mit der Montage der Hundert-Kilovolt-Schaltanlage und die Arbeiten begannen sich unter die Erdoberfläche zu verschieben. Mitte Januar 1957 wurde der Ausbruch des Felsens unterirdischen Raum des Kraftwerks begonnen und im Vyšebroder Ausgleichsbecken wurde die Montage des Generators der Turbine eröffnet. Die Betonierung des Gewölbes des Maschinenraums verspätete sich von Anfang an um etwa ein halbes Jahr. Es begannen die Befürchtungen zu erfüllen, dass der Staudamm die geplanten Frühlingswasser 1958 nicht auffasst. Ende September 1957 wurden die Arbeiten am schrägen Tunnel beendet, der ursprüngliche Termin war volle acht Monate früher und jetzt sollten bereits Turbinen montiert werden. Am sechsundzwanzigsten Juni 1958 wurde der letzte Block des Damms bis zum Niveau der Straße betoniert. Insgesamt wurden hierher 70 tausend Kubikmeter Beton, 600 Tonnen Stahl und 300 Tonnen Maschinen gebracht. Am ersten September 1958 wurde die Baustelle der ersten Turbine endlich den Monteuren von Elektrostroj Brno übergeben. Zuerst wurden mit dem Aufzug im schrägen Tunnel vier Teile der Stahlspirale unter die Erdoberfläche gebracht, dann wurden die einzelnen Teile durch die Öffnung des Generators auf den Boden der Turbine herunter gelassen. In der zweiten Hälfte September wurden alle vier Teile der Spirale in ein 30-Tonnen-Ganzes geschweißt.

Am Montag dem 15. Juni 1959 um 17 Uhr und 55 Minuten begannen die ersten Kubikmeter Wasser die Schaufeln der Turbine zu bewegen und der mächtige, 350 Tonnen schwere Rotor setzte sich in Bewegung. Die Monteure, die einige Tage gar nicht schliefen, unterbrachen nach einer Weile den Probebetrieb und gingen schlafen. Als sie sich ausschliefen, gingen sie Bier trinken, dann wurden Medaillen und Diplome verteilt. Nach den Übergabeprüfungen wurden die ersten Megawatt Strom ins Netz geliefert. Es dauerte nur sechzig Sekunden, eine einzige Minute, und der Generator begann die volle Leistung von sechzig Megawatt ins Netz zu liefern. Kurz vor Weihnachten 1959 wurde auch die zweite Lipnoer Turbine in Betrieb gesetzt und die Zeitung schrieb damals: "Beide Francisturbinen im Lipno-Stausee mit einer Leistung von 120 KW arbeiten tadellos und versorgen unser energetisches Netz"

(fs)

Weitere Informationen:
Geschichte der Region Vyšší Brod
Vltava
Geschichte der Flößerei auf der Vltava
Lipno-Stausee
Geschichte des Wasserkraftwerks Lipno
Lipno nad Vltavou