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Untergegangene Pfarrei Kapličky

In der ehemaligen Grenzzone gab es viele solche Gemeinden. Die Pfarrei Kapličky (Capella - Kapellen) bei Vyšší Brod wird bereits im ältesten tschechischen Urbar aus dem Jahr 1278 erwähnt. In diesem Jahr entrichtete sie bereits dem Vyšebroder Zisterzienserkloster 780 Eier und 60 Stück Käse. Sie lag auf dem "antigua via", also auf dem "alten Weg," der von Passau über das österreichische Helfenberg nach Vyšší Brod führte. Aus der Etymologie der Benennung "Capella" ergibt sich, dass der Gründer der Kapelle als Zentrum der künftigen Siedlung wahrscheinlich Wok von Rosenberg war und dass die Ortschaft dem Kloster erst nach einigen Jahren übergeben wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Deutschen ausgesiedelt und Kapličky wurde nie mehr nachgesiedelt. Zum Beispiel im Jahr 1947 wird geschrieben, dass in der Pfarrei Kapličky 160 Tschechen und 40 Deutsche sind und im Jahr 1930 lebten hier 2.536 Bewohner. Am Anfang der fünfziger Jahre begann der Bau des "eisernen Vorhangs" und damit kam auch die Demolierung der Gemeinde. Zum letzten Sprengschuss kam es am 4. Juni 1959. Damals wurde die Kirche gesprengt...Was geschah zwischen den Jahren 1278 und 1959?

Kreuz an der Stelle der eingegangenen Pfarrkirche Kapličky, Foto: Lubor Mrázek

Am 15. September 1377 kam der erste bekannte Pfarrer vom Kloster Vyšší Brod nach Kapličky. Die Kirche St. Johann und Paul wurde in Kapličky auf dem Gipfel des Hügels in einer Höhe von 950 Metern ü. d. M. an der Stelle gebaut, die auf der Karte als Stranwald bezeichnet wird. Im Jahr 1530, als das Vyšebroder Zisterzienserkloster ein Verzeichnis seines Besitzes aufstellte, wurde Kapličky als Gericht angeführt, also Sitz der Verwaltung eines ausgedehnten Gebietes zwischen dem rechten Ufer der Vltava und der Grenze zu Oberösterreich. Zum Gericht Kapličky gehörten im Jahr 1530 zwölf Gemeinden und 71 Bauerngüter, dreizehn davon direkt in Kapličky, wobei im heutigen Loučovice ein einziges Bauerngut war. Am zwanzigsten Dezember 1574 wurde Kapličky und das ganze Gericht vom Heimfallrecht befreit, also man konnte sein Vermögen frei vermachen. Fünf Jahre später, im Jahr 1579, ist die erste schriftliche Nachricht von einer Glashütte in Kapličky vermerkt und im Jahr 1587 ist hier die Gründung einer Schule schriftlich belegt.

Ehemaliger Meldeposten des eisernen Vorhangs in der eingegangenen Gemeinde Kapličky, Foto: Lubor Mrázek

Große Gefahr und Bedrohung kamen in den Jahren 1713 und 1714, als in der Umgebung von Kapličky eine Pestepidemie ausbrach. Die Gemeinde Kapličky bildete Wachen, die den Eintritt von Fremden hindern sollten. Es sind die Namen von Ch. Thanner und A. Nägel bekannt, die für die Pestwachen zehn Kreuzer bekamen. Eine interessante Nachricht stammt aus dem Jahr 1723, als das Gericht in Prag einen Streit zwischen dem Vyšebroder Kloster und der Gemeinde Kapličky verhandelte. Der Hauptbeweis war das Frontagebuch. Nach den Eintragungen schickten die Bauern aus Kapličky Kinder und Alte zur Fronarbeit, die schwach waren, "und trotzdem Fronbrot bekamen". Obwohl die Fron in der ganzen Monarchie im Jahr 1775 offiziell abgeschafft wurde, kam es zu deren Abschaffung in Kapličky erst im Jahr 1786 und die Fronsteuern wurden erst am 19. August 1803 aufgehoben. Kehren wir noch zur Schule in Kapličky zurück. An das hölzerne Gebäude wurde ein Stall zugebaut, wo der Lehrer eine Kuh und eine Ziege hatte. Auch die Kirche wurde nach und nach erweitert. Im Jahr 1643 wurden drei Seitenaltäre geweiht und 1790 kam ein neuer Hauptaltar der Jungfrau Maria dazu.

Kapellen, ein historisches Foto von Josef Seidel, Quell: Erinnerung an Kapellen im Böhmerwald, Hubert Hehenberger, 1998

Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die alte Kirche abgerissen und eine neue gebaut, die zur Dominante der Gemeinde wurde. Die Pläne der Kirche im neuromanischen Stil verfertigte Ingenieur Karl aus Vyšší Brod und am 11. Juni 1896 wurde die Kirche geweiht. Der dreischiffige Bau war 23 Meter lang und fast 12 Meter breit. Im fünfzig Meter hohen Turm waren vier Glocken angebracht. Der Hauptaltar aus polychromiertem Holz schnitzte der Tiroler Schnitzer Riffesser. In der Mitte des Altars waren die Statuen der heiligen Johann und Paul, denen die Kirche bereits seit 1377 eingeweiht war. Die Seitenaltäre stammten aus dem 17. Jahrhundert und wurden vom Vyšebroder Kloster hierher gebracht. Die Turmuhr verfertigten der Uhrmacher Johann Krammer und der Schmied Wenzel Hutter aus Kapličky. Die älteste Glocke war aus dem Jahr 1590 und eine weitere bekannte Glocke stammte aus dem Jahr 1618. Kirchendiener in Kapličky waren in den Jahren 1854 bis 1946 die Mitglieder der Familie Hutter, die im Haus Nr. 17 wohnten. Die Sippe Hutter übte gleichzeitig auch die Funktion der Totengräber auf dem örtlichen Friedhof aus.

Die Vergangenheit soll Erinnerung bleiben. Kreuz-Segnung 19. 6. 1992, Quell: Erinnerung an Kapellen im Böhmerwald, Hubert Hehenberger, 1998

In der Gemeinde Kapličky galt das so genannte "Naturrecht", was bedeutete, dass jeder Gutsbesitzer verpflichtet war, einem Gutsbesitzer, dessen Hof abbrannte oder den eine andere Katastrophe heimsuchte, Holz auf das Dach oder Stroh umsonst zu liefern. Eine Postverbindung erwartete Kapličky im Jahr 1898. Der Tischler Karel Hutter brachte in dieser Zeit zweimal wöchentlich Post von Kapličky nach Vyšší Brod und zurück. Nach ihm übernahm sein Sohn den Zustelldienst und im Jahr 1940 wurde in Kapličky ein Postamt errichtet. Einen Musikerverein gab es in Kapličky bereits vor dem Jahr 1900 und im Jahr 1905 wurde hier eine Musikschule geöffnet. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es hier auch schon einen Feuerwehrverein, der einen zwei- und einen vierrädrigen Feuerwagen besaß. Im Jahr 1927 kam Gerard Bitzan als Oberlehrer nach Kapličky. Mit seinem Namen sind nicht nur die Modernisierung der Schule, sondern auch die Entwicklung der Markierung der Wanderwege in der weiten Umgebung verbunden. Gerard Bitzan markierte mit seinen Schülern unter anderen den Wanderweg von Vítkův Hrádek über Kapličky auf den österreichischen Sternstein. Im Jahr 1927 begann man Kapličky auch regelmäßig Laientheater zu spielen und im Jahr 1934 wurde in Kapličky ein Turnverein gegründet. Beenden wir das Erzählen von der untergegangenen Gemeinde Kapličky optimistisch. Es besteht die Hoffnung, dass das Leben hierher zurückkommt. Es besteht die Hoffnung, dass der vierte Juni 1959 nicht der letzte Tag der Geschichte der Gemeinde war.

(fs)

Weitere Informationen:
Geschichte der Region Vyšší Brod
Untergegangene Pfarrei Rychnůvek
Kirchliche Objekte in der Region Český Krumlov
Vítkův Hrádek
Loučovice
Untergegangene Gemeinden und Ortschaften in der Region Vyšší Brod