Die Krumauer Burg wurde am Ende der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts von den Angehörigen eines der Zweige des Geschlechtes der Wittigonen - den Herren von Krumlov gegründet. Ihre Entstehung wird mit dem Namen Wittiko des Jüngeren von Krumlov verbunden, der auch im Jahr 1253 zum ersten Mal dieses Prädikat - "de Chrumbenowe" benutzte. Die Existenz der Burg beweist aber wahrscheinlich eine mehr als zehn Jahre ältere schriftliche Erwähnung des "Krumbenowe" genannten Ortes im Werk "Frauendienst" des steirischen Adeligen und Minnesängers Ulrich von Liechtenstein.

Für den ältesten Teil der Burg wird gewöhnlich die sog. Kleine Burg gehalten - ein großer zylindrischer Bergfried (Verteidigungsturm) mit einem Durchmesser von 11,2 m, knapp von der Burgmauer umgeben, und Palast in Form des Buchstaben L. Die Obere Burg sollte später entstehen, in der zweiten Bauetappe. Die wird insbesondere mit der Person des Peter I. von Rosenberg verbunden und in die 30er Jahre des 14. Jahrhunderts gelegt. Die Meinungen über eine frühere Entstehung der Oberen Burg (bauhistorische Untersuchung von Jan Muk und Luboš Lancinger), oder über die Existenz zweier Burgkerne bereits bei ihrer Gründung im 13. Jahrhundert (August Sedláček) sind in der bisherigen Literatur vereinzelt.

Český Krumlov - Burg, Fläche des zweiten Schlosshofs während der archälogischen Untersuchung im Jahr 1995, Foto: Michal Ernée

Eine der wenigen wissenschaftlichen Disziplinen, die uns heute etwas Neues über die Entstehung, Gestalt und älteste Geschichte der Burg sagen kann, ist die Archäologie. Das bestätigte sich in den Jahren 1994 und 1995. Auf der Fläche des ersten und zweiten Burghofs verlief damals eine archäologische Untersuchung - überhaupt die erste im heutigen Schlossareal. Sie wurde gemeinsam von Archäologen des Bezirksheimatmuseums in Český Krumlov und des Südböhmischen Museums in České Budějovice durchgeführt.

Insbesondere auf dem zweiten Schlosshof gelang es die Überreste der steinernen Architektur, spezialisierten Herstellungseinrichtungen und Spuren von Terrainherrichtungen aus der Zeit der Entstehung und der Anfänge des Baus der Burg im 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts zu untersuchen.

Český Krumlov - Burg, Aufschuttschichten aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, Foto: Michal Ernée, 1995 Český Krumlov - Burg, Innenraum des Tors, 13. Jahrhundert, Foto: Michal Ernée, 1994

Mächtige Aufschuttschichten, von denen das archäologische Material, datiert in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, stammt, blieben auf einem steilen Abhang zwischen dem ursprünglichen Gipfel des Felsenvorsprungs inmitten des Schlosshofs und der nördlichen Umfassungsmauer der Münze erhalten. An deren Stelle wurde also schon spätestens am Ende des 13. Jahrhunderts eine mächtige steinerne Burgmauer gebaut, an der sich die untersuchten Schichten festhielten. Einen weiteren Abschnitt der Befestigung aus derselben Zeit auch mit Überresten des Eingangstors entdeckte die Untersuchung im östlichen Teil des Schlosshofs - unter der Kleinen Burg. Die nachgewiesene Befestigung des zweiten Schlosshofs mit einer steinernen Mauer bereits in dieser Zeit ist von grundlegender Bedeutung bei Erwägungen über die Gestalt der Burg in den Anfangsphasen ihrer Entwicklung. Der östliche Teil des Felsenvorsprungs der Oberen Burg, wohin wir auch heute durch eine steile Durchfahrt steigen, lag ursprünglich 10 - 15 m höher, als die Oberfläche des zweiten Schlosshofs. Falls auch diese Stelle nicht fortifiziert wäre, hätte die umfangreiche und kostspielig gebaute Befestigung des darunter liegenden Schlosshofs ihren Sinn verloren. Bereits vor dem Ende des 13. Jahrhunderts stand also in Krumlov eine Burg mit zwei Kernen (an der Stelle der heutigen Kleinen Burg sowie der Oberen Burg; Karte - 1, 4) und einer befestigten Fläche mit einem Ausmaß von ca. 1/8 ha zwischen ihnen (Karte - 2, A). Der befestigte Burghof wurde auf der Ostseite durch ein Tor mit einem Einstieg zur Fallbrücke durchgebrochen (Karte - 6).

Český Krumlov - Burg, zweiter Schlosshof unter der Kleinen Burg, Reste der Burgmauer mit einem Tor und Entwässerungskanal, 13. Jahrhundert, Foto: Michal Ernée, 1994 Český Krumlov - Burg, Rekonstruktion des Aussehens der Gründe des Tors mit einem Einstieg zur Fallbrücke, Zeichnung von Michal Ernée, 1994 Český Krumlov - Burg, Entwässerungskanal (13. Jh.) und Schichten dessen Aufschüttens (15. Jh.), Foto: Michal Ernée, 1994

Nicht lange nach dem Bau der Befestigung und nach dem Ebnen der Oberfläche mit Aufschütten entstand im südlichen Teil des II. Schlosshofs eine metallurgische Arbeitsstelle (Karte - C). Die Hütte, spezialisiert auf die Produktion von Silber, beziehungsweise Gold aus örtlichen polymetallischen Erzen, war irgendwann an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert im Betrieb und nach einer relativ kurzen Zeit wahrscheinlich von ein paar Jahren ging sie wieder unter. Hinsichtlich der Erhaltung von Relikten der einzelnen Anlagen, der Datierung der Arbeitsstelle sowie der Bedeutung der Lokalität geht es um einen wichtigen Fund im europäischen Kontext (Burg Český Krumlov, Silberhütte aus der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert).

In demselben Horizont wurde, zweifellos mindestens auf der Südseite - am Ufer der Vltava (Moldau), die Burgbefestigung verdoppelt (Karte - 8). Von der Befestigung auf der Nordseite - in Form eines äußeren Grabens und einer bis heute bestehenden Burgmauer - wissen wir mindestens, dass sie schrittweise seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts liquidiert wurde (Karte - 9). Im breiten, beträchtlich abfallenden Raum zwischen beiden Gürteln der Befestigung wurde ein Graben ausgehoben (im Osten), oder er wurde ohne Herrichtung gelassen (Südseite). Beide Fortifikationen erfüllten ihre Funktion bis zu rasanten Umbauten unter den letzten Rosenbergern - insbesondere bis zum Bau des zweiflügeligen Objektes der sog. Buchhalterie (Neue Burggrafschaft), das heute die Nord- und Ostseite des zweiten Schlosshofs abschließt.

A - minimaler Umfang der Burg
B - minimaler Umfang der Oberen Burg spätestens unter Peter I. von Rosenberg in den 30er Jahren des 14. Jahrhunderts
C - minimaler Umfang der metallurgischen Arbeitsstelle
D - Vorkommen von kulturellen Schichten mit Keramik des Endes des 13. und Anfangs des 14. Jahrhunderts

Krumauer Burg an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert

  1. Kleine Burg
  2. zweiter Burghof
  3. Obere Burg
  4. östlicher Teil der Oberen Burg befestigt bereits zu Ende des 13. Jahrhunderts
  5. südliche Burgmauer des zweiten Burghofs an der Stelle der heutigen nördlichen Umfassungsmauer der Münze
  6. Abschnitt der östlichen Burgmauer des zweiten Burghofs mit dem Tor
  7. das Tor im Graben half die beträchtliche Entfernung (30 m) sowie den Höhenunterschied zwischen dem inneren und äußeren Gürtel der Befestigung der mittelalterlichen Burg zu überwinden
  8. südliche Burgmauer des äußeren Gürtels der Burgbefestigung
  9. nördliche (östliche) Burgmauer des äußeren Gürtels der Burgbefestigung
  10. jüngere Burgmauer des ersten Burghofs

Bei der archäologischen Untersuchung wurde eine ganze Reihe von Funden gewonnen - Gegenstände, die eine hochentwickelte materielle Kultur der Besitzer der Burg und des Schlosses sowie vieler ihrer weiteren Bewohner im Mittelalter sowie in der Neuzeit beweisen. Erwähnenswert sind eine reiche Kollektion von Keramik und eisernen Gegenständen vom Aufschütten des Entwässerungskanals des mittelalterlichen Tors und insbesondere eine Kollektion der Renaissanceofenkacheln, die in einer der Sonden auf dem zweiten Schlosshof gefunden wurde. Auch die Kollektion der gotischen Ofenkacheln, die einige tausend Stück zählt und die zufällig bereits im Jahr 1918 unter dem Schloss im Hirschgarten ausgegraben wurde, gehört zu bedeutenden Beweisen des spätmittelalterlichen Kunsthandwerks des 15. und Anfangs des 16. Jahrhunderts.

(me)

Weitere Informationen :

DMO Český Krumlov, z. s.