Das Schlosslapidarium befindet sich auf dem I. Schlosshof unter dem Nordflügel des Objektes der Neuen Burggrafschaft. Der Raum ist in nördlicher Richtung unterirdisch, in Richtung Süden liegt er tief unter dem Terrain des Schlosshofes. In der Schlossarchitektur hat er gemeinsam mit den Kellerräumen der Prager Burg in Mitteleuropa nicht seinesgleichen.

Der ursprünglich einheitliche Hauptkellerraum ist 48 m lang und 8,5 m breit, das Kappengewölbe des Kellers ist im Gipfel 4,6 m hoch. Der Raum hat sich bis heute seinen Renaissancecharakter erhalten. Im 16. Jahrhundert dienten die Kellerräume als Pferdeställe und nach den Archivquellen konnten hier bis hundert Pferde eingestallt werden. Die Fensteröffnungen sind fünfseitig und bestätigen so den Renaissanceursprung dieser Räume, die um das Jahr 1580 erbaut wurden. Der westliche Teil des Kellers wird durch eine jüngere Barockmauer geteilt, hinter der sich der Raum fortsetzt. Von der Ostseite gibt es einen Zugang zu weiteren Kellerräumen, wo die Archivangaben im 19. Jahrhundert ein Gefängnis lokalisieren. Der heutige Eingang in den Keller ist ursprünglich und im 16. Jahrhundert war er vom I. Schlosshof mit einem Graben getrennt, der bei archäologischen Ausgrabungen im Jahre 1997 im Raum der heutigen Kutschenställe lokalisiert wurde.

Schloss Nr. 59 - Neue Burggrafschaft, Kellerräume - ehemaliges Gefängnis

Bei der gegenwärtigen Umgestaltung dieser Räume wurden folgende Prinzipien respektiert:

  1. Maximaler Schutz der ursprünglichen Konstruktionen
  2. Erhaltung des Charakters der Kellerräume
  3. Einlegen neuer Funktionen in die Baudisposition mit Berücksichtigung erhaltener Konstruktione
  4. Durchsetzung einer Konservierungsmethode bei der Erneuerung der ursprünglichen Wand- und Gewölbeflächen

Heute ist der Raum neu ausgebaut und nach einer Umgestaltung ist er als Schlosslapidarium genutzt. Es werden hier sämtliche Originale der Statuen vom Areal des Schlosses aufbewahrt, die durch Kopien ersetzt sind. Das Lapidarium bildet eine selbstständige öffentlich zugängliche Ausstellung.

Einzelne Statuen in der Exposition des Schlosslapidariums:
(Reihenfolge vom Haupteingang):

St. Josef mit kleinem Jesuskind

Ursprüngliche Anbringung: Brücke über dem Bärengraben
Künstler:Johann Anton Zinner
Jahr: 1759

Josef war ursprünglich Zimmermann oder Baumeister von Beruf. Er wurde mit der Jungfrau Maria verlobt, die schon unter ihrem Herzen ein vom Heiligen Geist empfangenes Kind trug. Josefs Befürchtungen zerstreute der Engel, der ihm erschien, und Josef heiratete Jungfrau Maria. Nach Jesu Geburt flohen alle drei nach Ägypten und retteten sich so vor der Verfolgung des Königs Herodes. Nach dem Tod von Herodes ließen sie sich in Nazareth in Galiläa nieder. Josef wird noch in der Episode vom zwölfjährigen, in Jerusalem verlorengegangenen Jesus als treuer Hüter und Helfer erwähnt. Josefs Namenstag fällt auf den 19.3.

Schlosslapidarium in Český Krumlov, St. Josef mit kleinem Jesuskind, Künstler: Jan Antonín Zinner, 1759, Foto: Ladislav Pouzar

Die unbefleckte Jungfrau Maria - Immaculata

Ursprüngliche Anbringung: Brücke über dem Bärengraben
Künstler:Johann Anton Zinner
Jahr: 1759
Attribut: Erdkugel mit einer Schlange und Halbmond

Die Jungfrau Maria war ein jüdisches Mädchen, dem ein Engel erschien und verkündigte, dass es durch die Macht des Heiligen Geistes einen Sohn, Jesus, bekommen würde, der Gottes Sohn sein würde. Gott schützte es so vor der Befleckung der Erbsünde und seine unbefleckte Empfängnis wird seit Jahrhunderten geehrt. Maria heiratete Josef und sie begaben sich gemeinsam nach Bethlehem, wo sie ihren Sohn Jesus zur Welt brachte. Maria blieb das ganze Leben lang Jungfrau. Sie starb wahrscheinlich in Jerusalem oder in Efesos und Gott nahm sie mit ihrer Seele und ihrem Leib zu sich in den Himmel. Der Feiertag der Unbefleckten Empfängnis Jungfrau Mariä fällt auf den 8.12.

Schlosslapidarium in Český Krumlov, Die unbefleckte Jungfrau Maria, Künstler: Jan Antonín Zinner, 1759, Foto: Ladislav Pouzar

St. Felix von Cantalice

Ursprüngliche Anbringung: Brücke über dem Bärengraben
Künstler:Johann Anton Zinner
Jahr: 1756
Attribut: Stock und Beutel

Felix wurde in einer Bauernfamilie in Cantalice im italienischen Apulien geboren. In seiner Jugend war er Hirte und er arbeitete in der Landwirtschaft, später wurde er zum Kapuzinerlaienbruder im nahen Kloster Citta Ducale in Anticoli und er wurde durch seine Einfachkeit und Frömmigkeit berühmt. Im Jahre 1549 wurde er nach Rom geschickt und dort verbrachte er weitere 38 Jahre als Questor im Kloster, wo er Kranken und Armen half und von allen geehrt wurde. Er war ein Freund des hl. Philipp Neri und half bei der Umgestaltung des Ordens des hl. Karl Boromäus für seine Ordensbrüder. Er starb in Rom im Jahre 1587, heiliggesprochen wurde er im Jahre 1712 und sein Namenstag fällt auf den 18.5.

Schlosslapidarium in Český Krumlov, St. Felix von Cantalice, Künstler: Jan Antonín Zinner, 1756

St. Anton von Padua

Ursprüngliche Anbringung:Mantelbrücke (Plášťový most)
Künstler:Johann Anton Zinner
Jahr: 1747
Attribut: Jesuskind (und Lilie)

Anton wurde im Jahre 1195 in Lissabon geboren. Er war Ordenskanoniker, studierte Theologie in Coimbra und trat dem Franziskanerorden bei. Er wurde als Missionär nach Marokko geschickt, um das Christentum unter den Moslems zu verbreiten, und nach seiner Rückkehr lebte er als Eremit in der Nähe von Forli in Italien. Er wurde ein berühmter Prediger und Lehrer, seine Predigten hatten einen großen Einfluss auf einfache Leute sowie Gelehrte und bis heute blieb eine Reihe seiner Predigten erhalten. Er starb im Jahre 1231 und sein Grab in Padua wurde zu einem stark besuchten Wallfahrtsort. Dem hl. Anton wird eine ganze Reihe von Wundern zugeschrieben. Im Jahre 1232 wurde er heiliggesprochen und sein Namenstag fällt auf den 13.6.

Schlosslapidarium in Český Krumlov, St. Anton von Padua, Künstler: Jan Antonín Zinner, 1747, Foto: Ladislav Pouzar

St. Wenzel

Ursprüngliche Anbringung:Mantelbrücke (Plášťový most)
Künstler:Johann Anton Zinner
Jahr: 1747
Attribute: Fahne und Schild

Fürst Wenzel aus dem Geschlecht der Przemysliden wurde etwa im Jahre 907 geboren. Er wurde von seiner Großmutter, der hl. Ludmila, erzogen und Wenzel erwarb eine gute Bildung dank den Geistlichen von der Lateinschule in Budeč. Er wurde ein frommer und weiser Herrscher, der sich bemühte, Konflikte mit starken Nachbarn zu vermeiden, und er bezahlte lieber regelmäßig eine bestimmte Summe - den sog. Tribut pacis, um den Krieg zu vermeiden. Seine Politik hatte viele Gegner, an deren Spitze Wenzels Bruder Boleslav stand. Dieser entschloss sich zu einer sehr radikalen Lösung dieser Streitigkeiten. Er lud Wenzel auf seinen Sitz in Stará Boleslav, um gemeinsam ein Fest zu feiern. Am anderen Tag morgens (28.9. 935), als Wenzel die Kirche betrat, wurde er angeblich von seinem Bruder ermordert. Bereits seit dem 10. Jahrhundert wird der hl. Wenzel als Märtyrer und Patron der böhmischen Länder geehrt. Sein Namenstag fällt auf den 28.9.

Schlosslapidarium in Český Krumlov, St. Wenzel, Künstler Jan Antonín Zinner, 1747, Foto: Ladislav Pouzar

St. Johann von Nepomuk

Ursprüngliche Anbringung:Mantelbrücke (Plášťový most)
Künstler: Johann Plansker
Jahr: 1727
Attribut: Kruzifix

Johann von Pomuk wurde etwa im Jahre 1345 geboren. Bis zum Jahre 1380 war er Notar beim Generalvikariat des Prager Erzbistums. er studierte Kirchenrecht in Prag und im italienischen Padua, wo er einen Doktortitel erwarb. Dann kehrte er nach Prag zurück, wo er Kanoniker des Vyšehrader Kapitels wurde. Später ernannte ihn der Erzbischof Johann von Jenštejn zum Generalvikar. Nach einer Legende war er Beichtvater der Gemahlin des Königs Wenzel IV., und da er dem König das Beichtgeheimnis nicht verraten wollte, ließ ihn der König foltern und zum Schluss in der Vltava (Moldau) ertränken. Die Wirklichkeit war ein bisschen anders und der König löste eigentlich auf diese Weise seine Streitigkeiten mit dem Erzbischof Johann von Jenštejn. Johann von Nepomuk starb den Märtyrertod in Prag am 20.3.1393. Im Jahre 1729 wurde er heiliggesprochen und sein Namenstag fällt auf den 16.5.

Schlosslapidarium in Český Krumlov, St. Johann von Nepomuk, Künstler Jan Plansker, 1727, Foto: Ladislav Pouzar

Die Statuen der Kaskadenfontäne:

Ursprüngliche Anbringung: Kaskadenfontäne im Schlossgarten
Künstler: nach dem Entwurf von Andreas Felix Altomonte schufen sie die Bildhauer Johann Anton Zinner aus Wien und Josef Matthias Griessler aus České Budějovice (Budweis).
Jahr: 1749 - 65
Material: der in Eggenburg und Mannesdorf gebrochene Muschelkalkstein

Schlosslapidarium in Český Krumlov - Interieur, Gesamtansicht, Foto: Lubor Mrázek

Dekorative Vasen der Kaskadenfontäne:

Der Flussgott Akis mit Paddel und einer Kindergestalt

Der bärtige Flussgott Akis sitzt auf flachen Steinen. Auf dem Kopf hat er einen Lorbeerkranz, vor sich die Ernte - Weintrauben, eine Getreidegarbe, Gemüse und ein Rohr. Mit der linken Hand stützt er sich auf eine umgekippte Urne und in der rechten Hand hält er ein Paddel, auf das sich ein nackter Junge stützt. Der Flussgott Akis wurde von seinem Rivalen, dem eifersüchtigen einäugigen Riesen Polyphemos, ermordet, weil er die Nymphe Galateia liebte. Nach dem Tod verwandelte ihn Galateia in einen Flussgott, aus dessen Leib Wasser strömt. Das Wasser fließt aus der Urne, die gleichzeitig sein Attribut darstellt. Ein weiteres Attribut des Flussgottes ist das Paddel

Schlosslapidarium in Český Krumlov, Der Flussgott Akis, Künstleri: J. A. Zinner a M. Griessler, 1749-1765, Foto: Ladislav Pouzar

Die Seenymphe Galateia mit einem Delphin und Tritonen

Die Frauengestalt der zentralen Statuengruppe hat in der rechten Hand ein Zepter, das ein Abzeichen der Regierung darstellt, und die linke Hand hat sie auf dem Kopf eines Delphins gelegt, aus dessen Maul Wasser schießt. Die Statuengruppe wird von einem Delphin mit geöffnetem Maul, aus dem auf die Fontäne Wasser fließt, und einem Paar Tritonen - Jungen mit Fischschwänzen anstatt Füßen, die tanzen und bei Festen auf Muscheln blasen - ergänzt. Die Nymphe Galateia ist eine Gestalt aus der griechischen Mythologie. Diese Nymphe war die Tochter des Seegottes Nereus, dessen Töchter Nymphen oder Nereiden genannt werden. Die Nymphe Galateia liebte der einäugige Riese Polyphemos, der jedoch auf seinen Rivalen Akis eifersüchtig war. Der Riese Polyphemos warf auf Akis einen Stein, mit dem er ihn tötete. Galateia verwandelte Akis´ Blut in eine Wasserquelle und ihn selbst in einen Flussgott.

Schlosslapidarium in Český Krumlov, Nymphe mit einer Perle und Silenos, Künstler: J. A. Zinner a M. Griessler, 1749-1765, Foto: Ladislav Pouzar

Nymphe mit einer Perle und Silenos

Diese sitzende Nymphe hält in der rechten Hand eine Perle und Muscheln mit weiteren Perlen hat sie unter dieser Hand und an den Füßen. Auf der linken Seite der Nymphe befindet sich die Gestalt des Silenos, eines Jungen mit Bocksbeinen mit Hufen.

Schlosslapidarium in Český Krumlov, Nymphe mit einer Perle und Silenos, Künstler: J. A. Zinner a M. Griessler, 1749-1765, Foto: Ladislav Pouzar

Fisch- und Frosch-Plastiken

Diese Plastiken schmückten die erste Kaskade der Fontäne im Schlossgarten. Aus ihren Mäulchen spritzte ebenfalls Wasser.

Schlosslapidarium in Český Krumlov, Details der steinbildhauerischen Ausschmückung, Foto: Ladislav Pouzar

(jo, zf)

Möglichkeiten der Vermietung von Räumen im Areal des Schlosses Český Krumlov

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Geschichte der Bildhauerei in der Stadt Český Krumlov
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Jan Antonín Zinner
Kaskadenfontäne
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Begleiter durch das Areal des Schlosses Český Krumlov
Keller des II. Schloßhofes des Schlosses Český Krumlov