Lokalisierung :
Das Haus ist eines der ehemaligen Wirtschaftsgebäude, die in der ehemaligen Vorburg, heute im I. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov, an die mittelalterliche Befestigung aus dem 14. Jahrhundert angebaut wurden.

Schloss Nr. 65 - Brauerei, Gesamtansicht, Foto: Martin Švamberg

Objektbeschreibung :
Das Objekt ist in drei wirtschaftlich voneinander unabhängige Teile gegliedert. Der Hauptteil ist ein einstöckiges, östlich liegendes Objekt, mit einem kleinen Hof in der Mitte. In zwei weiteren Teilen gibt es nur ein Erdgeschoß mit hohen Decken, wo heute nur mehr Garagen sind.

Bauhistorische Entwicklung :
Die Disposition und Fassade wurden im mittleren und westlichen Teil durch neuzeitliche Umbauten erheblich geändert. Das entdeckte zugemauerte Fenster deutet auf den ursprünglich etwa 110 cm tiefer gelegenen Fußboden hin. Der Ostteil ist von allen dreien am ältesten, auch hier sind Spuren vieler neuzeitlichen Eingriffe, z.B. die Treppe ins Obergeschoß und der balkonartige Gang (die Pawlatsche) aus dem Jahre 1920. Im Obergeschoß sind heute Wohnungen.

Bedeutende architektonische Details :
An der Renaissance-Sgraffitofassade ist eine Sonnenuhr mit der Jahreszahl 1690.

Schloss Nr. 65 - Brauerei, Sonnenuhr auf der Fassade des Objektes, Foto: Martin Švamberg

Geschichte der Bewohner :
Zum Aufbau bekennt sich der berühmte Krumlover Burggraf und spätere Regent der Herrschaft von Wilhelm von Rosenberg, Jakub Krčín z Jelčan, der seinen Dienst 1651 angetreten hat. Ein Teil stand schon damals und auf Krčíns Veranlassung wurde das Haus 1579 fertiggebaut. 1763 wurde die Bierbrauerei stillgelegt und später in eine Tischlerei und in eine Wohnung für den Tischler umgebaut. Nach dem Brand 1774 wurde die Tischlerei hier nicht mehr erneuert, und es wurde hier eine Wagnerwerkstätte mit einer Wohnung eingerichtet. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Werkstätte durch eine Molkerei ersetzt, die bis 1948 in Betrieb war. Danach wurden die Räume in eine Autowerkstätte und in Garagen umgebaut.

Heutige Nutzung :
Garagen und Wohnungen.

Legende :
In diesem Haus hörte man oft in der Nacht ein merkwürdiges Klopfen, als ob der Faßbinder auf Faßeisen klopft. Man erzählt, daß ein sehr ehrlicher Faßbinder gezwungen war, das Schilf für das Verdichten der Fässer im Teich des Schloßgartens selbst zu besorgen. Unglücklicherweise ist er aber aus dem Schiff gefallen und ertrunken. Dadurch konnte er seine Aufgabe für die Schloßobrigkeit nicht mehr erfüllen. Auch nach dem Tod hatte der Faßbinder keine Ruhe und ist bei Vollmond in der Werkstätte der Bierbrauerei erschienen, um sein Werk zu beenden.

(ds)