Latrán Nr. 66, die sog. Alte Apotheke auf dem Schloss Český Krumlov, Ansicht von der Latran-Gasse, foto:  Ladislav Pouzar Lokalisierung :
Die alte Apotheke der Herrschaft steht an der Stelle der ehemaligen Befestigung aus dem 14. Jahrhundert. Die Hauptstirnseite ist zum Latran orientiert, jedoch der hintere Gebäudeteil gehört schon zur Bebauung des I. Schloßhofes des Schlosses Český Krumlov.

Objektbeschreibung :
Das einstöckige Haus wurde an einem Abhang gebaut. Das Erdgeschoß liegt dadurch unter der Schloßhofebene und wird im hinteren Trakt als Keller genutzt. Das Obergeschoß ist auf der Ebene des Schloßhofes und scheint von dieser Seite das Erdgeschoß zu sein. Die Hausfront in Richtung Latran ist im Renaissancestil reich verziert, dagegen ist die Hinterfront im Barockstil viel schlichter. Das ganze Gebäude ist mit einem neuzeitlichen steilen Dachstuhl überdacht.

Bauhistorische Entwicklung :
Die ältesten Hausteile sind wahrscheinlich schon im 14. Jahrhundert entstanden, was die vielen vor allem im Erdgeschoß erhaltenen gotischen Elemente beweisen. Während der Renaissance wurde das Haus mehrmals umgebaut. Darüber existieren zwar keine schriftlichen Aufzeichnungen, jedoch die Spuren am Gebäude besagen es eindeutig. Einer der Umbauten erfolgte wahrscheinlich nach dem Brand im Jahre 1610, der diesen Latranteil heimgesucht hat. Zur weiteren gründlichen Renovierung kam es in den Jahren 1729 - 1730, als hier die Apotheke aufgemacht wurde. In Richtung zum Schloßhof wurde ein Labor angebaut und die bestehenden Räume wurden in einen Laden mit einem Arbeitszimmer umgebaut. Das Gebäude wurde noch einigemale überholt, jedoch ohne grundsätzliche Änderung. Im Jahre 1915 wurde die Apotheke geschlossen und noch in demselben Jahr wurden in den leeren Räumen im Obergeschoß zwei Wohnungen eingerichtet und im Erdgeschoß zur Straße orientierte Geschäfte eingebaut. In den Jahren 1937-38 wurde das Objekt generalüberholt.

Bedeutende architektonische Details :
Hinsichtlich der Architektur ist vor allem die Renaissancestirnseite mit bossiertem Portal von Bedeutung, durch das man früher in den Hof einfahren konnte. Im Inneren blieben Renaissancegewölbe und gotische Portale erhalten.

Geschichte der Bewohner :
Die erste schriftliche Aufzeichnung über das Haus stammt von 1587. Vor dem Jahre 1575 hat das Haus Dorota Slepičková z Radkovic gehört, der Gattin des Rosenberger Regenten Jakub Krčín z Jelčan, der es nach ihrem Tod geerbt und 1587 an die Krumlover Gemeinde verkauft hat. Die Gemeinde hat es 1588 dem Braumeister Jiřík Studnička verkauft, der nur bis 1591 Besitzer war und das Haus dem Rosenberger Beamten Bartoloměj Flisspach z Flisspachu weiter verkauft hat. Von ihm hat das Haus der Rosenberger Herrscher Peter Wok gekauft, um es 1597 seinem Diener Jan Hagen zu schenken. Hagens geadelter Sohn Ritter Jan Hagen ze Švarcpachu a na Černodubu hat das Haus 1635 dem neuen Inhaber des Herrschaftsgutes, dem Fürsten von Eggenberg, verkauft. Bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts waren im Haus höhere fürstliche Beamte untergebracht, und 1730 gab es hier die Apotheke der Herrschaft. Sie war bis 1915 in Betrieb und wurde dann in die Nr. 46 verlegt. An deren Stelle hat man Wohnungen eingebaut und im Erdgeschoß einen Laden mit Sodawasser, Milch und später Gemüse eingerichtet.

Heutige Nutzung :
Heute ist an der Stelle eine Fleischerei und ein Laden mit geschliffenem Glas. Im Obergeschoß sind vorläufig Wohnungen.

(ds)