Schon seit der Mitte des 14. Jahrhunderts gab es am rosenbergischen Hof in Český Krumlov eine Kanzlei, deren Aufgabe es war, Urkunden auszufertigen und später auch allgemeine Amtsgeschäfte zu erledigen. Originale der wichtigen Majestätsbriefe und Privilegien, die das rosenbergische Vermögen und die privilegierte Stellung im Rahmen des Königreichs rechtlich sicherten, wurden in einer Truhe in der Sakristei der Burgkapelle des hl. Georg und der hl. Katharina aufbewahrt. Zur Sicherheit wurden in den 70er Jahren des 14. Jahrhunderts Kopien auf Pergament verfertigt, die später nach der Stelle ihrer Aufbewahrung auch "Rožmberský Kodex marientálský" (rosenbergischer Marientaler Kodex) genannt wurden. Dieser Kodex enthielt rund 100 Urkunden aus der Zeit von 1260 bis 1364, die zur Zeit seiner Verfertigung den Rosenbergern gehörten.

Die Grundlagen für das spätere rosenbergische Archiv wurde im Jahr 1418 gelegt, wo nach Český Krumlov Schriftstücke von anderen Orten vor den hussitischen Heeren in Sicherheit gebracht wurden. Davon, daß es in der Mitte des 15. Jahrhunderts am rosenbergischen Hof schon ein archivalisches Bewußtsein gab, zeugen auch die Regesten und kanzleiartige Bemerkungen auf der Reversseite der Urkunden von Ulrich II. von Rosenberg. Mit den Urkunden arbeitete auch der spätere rosenbergische Kanzler Václav z Rovného, der um 1469 nach Originalschriften eine Sammlung von böhmischen und lateinischen Urkunden zusammengestellt hat. Aus dieser Zeit blieben auch umfangreiche Folianten erhalten, die die Schulden Ulrichs von Rosenberg erfassen.

Mit den Ordnungsarbeiten im rosenbergischen Archiv hat jedoch erst in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts der Kanzler Václav Albín z Helfenburka begonnen, der für diese Aufgabe als hervorragender Anwalt und Kenner der rosenbergischen Schriftstücke die besten Voraussetzungen hatte. In seiner Arbeit orientierte er sich nur auf juristische Dokumente, die er in der Sakristei der Burgkapelle gefunden hatte, ganz außerhalb seines Interesses blieb die Korrespondenz und weiteres schriftliches Material. Nach 1550, als ihm das Archiv anvertraut wurde, ordnete er die Urkunden nach Inhalt und äußerer Form in 25 Gruppen, von denen jede mehrere Schachteln umfaßte. Die Gruppen wurden mit Großbuchstaben des Alphabets und arabischen Ziffern bezeichnet. In manchen Fällen verwendete Albín unterschiedliche Zeichen. Dieselbe Bezeichnung, die auf der Gruppe steht, erscheint nachfolgend auch auf der Urkunde, die in die jeweilige Gruppe gehörte, und beim Regest im Inventar, das der rosenbergische Kanzler selbst geschrieben hat. Im Inventar war auch eingetragen, ob es sich um ein Original, eine Abschrift oder eine beglaubigte Abschrift des Schriftstückes handelte. Der Anfang der Dokumentation von Schriftstücken mit Verwaltungs- und Wirtschaftscharakter ist mit der Errichtung der neuen Rechnungskanzlei - Buchhalterei (Schloß Nr. 59 - Neue Burggrafenschaft) im Jahr 1578 verbunden.

Die endgültige Ordnung des rosenbergischen Archivs wurde dank Václav Březan erreicht. Der trat die Stelle des Archivars am 22. November 1596 an und binnen kurzer Zeit gelang es ihm, alle Schriftstücke zu ordnen, die er in der Sakristei der Schloßkapelle fand. Am Anfang stellte er ein Inventar von wichtigeren Urkunden, Majestätsbriefen und Familienprivilegien zusammen, die er mit Regesten versah. Danach teilte er alle Schriftstücke nach dem sachlichen Inhalt in 12 Klassen. Jede Klasse wurde in einer oder mehreren Truhen gelagert. Schon im Jahr 1598 gelang es Březan, das Ordnen der ersten drei Truhen zu beenden, zu denen er den Inhalt zusammengefaßt hat. Diese Sammlung beinhaltet bis heute auch die Urkunden, die später unwiederbringlich verlorengingen. Die gesamte Archivarbeit wurde zirka 1601 beendet. 1602 verließ Peter Wok von Rosenberg Český Krumlov. Zusammen mit ihm ging nach Třeboň in 23 Truhen auch das rosenbergische Archiv. In Třeboň wurde das Archiv in einer Kammer mit eiserner Tür verwahrt. Die Kammer lag im Erdgeschoß des Nordflügels des Schlosses, gegenüber dem Bibliotheksgebäude. Nach dem Tode des letzten Rosenbergers ging das Familienarchiv in die Hände der Švamberger - der Erben der Rosenberger - über. Die Švamberger sollten das Archiv als Andenken an die Rosenberger erhalten. Nach 1618 wechselte Třeboň mehrmals seinen Besitzer, um im Jahr 1660 unter schwarzenbergische Herrschaft zu gelangen. Das rosenbergische Familienarchiv wurde unter die Pawlatschen des Langen Flurs des Schlosses Třeboň gebracht und wurde zu einem Teil des schwarzenbergischen Archivs. Bis heute bildet es einen Bestandteil der Sammlung "Cizí rody" (Fremde Familien).

Nach dem Weggang von Peter Wok blieben in Český Krumlov nur die Schriftstücke, die den Betrieb der Herrschaft betrafen. Sie wurden nicht mehr in der Sakristei der Kapelle des hl. Georg gelagert, den genauen Platz ihrer Lagerung konnte man bis heute noch nicht feststellen. Aufgrund von Schloßinventaren aus den Jahren 1605 und 1608 wissen wir nur, daß manche Schriftstücke in der Buchhalterei in Schränken, Truhen und Schubladen gelagert wurden oder in teilweise numerierte Pakete geordnet waren.

Dieselbe Situation bestand wahrscheinlich auch während der Herrschaft der ersten Eggenberger, deren Familienarchiv sich in Graz befand. Erst nach 1665 errichtete Johann Christian I. von Eggenberg in Český Krumlov eine Hofkanzlei. Zu dieser Zeit existierte auch auf dem Schloß ein Archiv, in das der Fürst solche Schriftstücke schicken ließ, die die böhmischen Angelegenheiten des Geschlechtes betraf. Zum ersten Registrator wurde im Jahre 1671 Jan Arnošt Hammermiller ernannt, der als Beamter der Hofkanzlei das alte Archiv der Herrschaft betreute. Ende des 17. Jahrhunderts wurde zum Registraturadjunkt Ambrož Augustin Haláček ernannt, der das Repertorium des eggenbergischen Archivs geschaffen hat. Im Prinzip handelte es sich um eine Liste von Urkunden mit Regesten, die in 15 Rubriken unterteilt wurden - dieses Repertorium blieb leider unbeendet. Nach dem Tode von Johann Christian fiel Český Krumlov an seine Gattin Marie Ernestine von Eggenberg, geborene zu Schwarzenberg. Haláček ging in ihre Dienste und mußte sehr viele Archivalien an den Bruder des verstorbenen Fürsten Jan Seyfried übergeben. Aus diesem Grunde sind in Český Krumlov nur einige Dokumente geblieben, vor allem das Vermögen in Böhmen und den ehemaligen eggenbergischen Hof betreffend.

Das Familienarchiv der Schwarzenberger, die Český Krumlov nach 1711 geerbt haben, befand sich bis zum Jahr 1653 in ihrer Hauptfamilienresidenz in Schwarzenberg. Damals ließ es Johann Adolf I. zu Schwarzenberg nach Wien transportieren, viele von den Schriftstücken ließ er jedoch an Ort und Stelle zurück. Nach dem letzten Willen des Fürsten Ferdinand zu Schwarzenberg von 1703 sollte das Zentralarchiv immer in Wien bleiben, solange dies kaiserliche Residenz ist. In Český Krumlov befanden sich nur die Schriftstücke, die unmittelbar mit dem Betrieb der Herrschaft zusammenhingen. 1723 wurde beschlossen, daß ein Repertorium des Archivs von Český Krumlov geschrieben werden soll - mit der Arbeit wurde Ambrož Haláček beauftragt, der inzwischen in die schwarzenbergischen Dienste "umgestiegen" war. Den Stoff teilte er in 19 Abteilungen, die weiter in Rubriken unterteilt wurden. Gleichzeitig wurden ähnliche Inhalte auch für die Archive in Wien und Třeboň erarbeitet.

1728 brannte das Gebäude der früheren eggenbergischen Münze aus, und an dieser Stelle wurde in späteren Jahren ein neues Haus gebaut. Im Erdgeschoß wurden insgesamt 6 Räume für die Schriftstücke vorgesehen, die bisher vor allem in der Rechnungskanzlei gelagert wurden. In diesen Räumen befinden sich die Archivalien bis heute (Schloß Nr. 59 - Münze). Das Bemühen um Konzentration der Archivalien setzte sich auch im Jahr 1747 fort, in dem der Hauptmann von Český Krumlov an die einzelnen Herrschaften ein Formular schickte, damit die wichtigen Schriftstücke in das Schloßarchiv geschickt würden. Auf dem Schloß sollten beglaubigte Abschriften von diesen Schriftstücken gemacht werden. Das Archiv wuchs nach 1785 an, wo in ihn ein Teil des reichen Archivs vom Kloster Zlatá Koruna (Goldenkron) umgelagert wurde, das Kloster wurde säkularisiert und von den Schwarzenbergern erworben.

Zu einer wichtigen Reorganisation der schwarzenbergischen Archive kam es am Ende des 18. Jahrhunderts. 1793 wurde von Fürst Josef ein neues Ordnungssystem für Archive erlassen, dessen Autor Martin Forch war. Die Einreihung von Schriftstücken wurde nach dem Gegenstand durchgeführt, den sie betrafen, und zugleich wurde der wesentliche Unterschied zwischen einem Archiv im engeren Sinne des Wortes und einer Registratur festgelegt. In der Archivabteilung wurden nur noch juristisch wichtige Dokumente, Karten und Pläne gelagert. Andere Schriftstücke wurden in die Registraturabteilung eingereiht. Bestandteil des Systems war auch eine genaue Anweisung zur Lagerung und Bearbeitung von Archivalien. Diese "Einrichtung von Archiven" wurde in Český Krumlov unter der Leitung von Karel Jakub Battista um das Jahr 1803 beendet. Mit der Aufhebung der Untertänigkeit und des patrimonialen Gerichtswesen im Jahr 1848 wurde das Archiv zu einer privaten Institution des schwarzenbergischen Geschlechts. Die Übergabe der Dokumente an die Staatsverwaltung dauerte bis zum Jahr 1850.

Ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung des Archivs in Český Krumlov war das Jahr 1892. Damals wurde über den Abbau des schwarzenbergischen Palais in Neumarkt in Wien - wo das Zentralarchiv war - und über seine Überstellung nach Čeký Krumlov entschieden. Das Archiv in Český Krumlov hörte auf, als selbständiges Archiv der Herrschaft zu existieren und wurde zusammen mit der Schloßbibliothek in Český Krumlov zum Bestandteil des zentralen schwarzenbergischen Archivs. Nach Český Krumlov siedelten auch die Mitarbeiter des Wiener Archivs um, unter ihnen war der spätere langjährige Archivar von Český Krumlov Hynek Gross. Das Zentralarchiv wurde nicht nur von der Herrschaft Český Krumlov bezahlt, sondern zu seinen Kosten trugen alle schwarzenbergischen Herrschaften bei. Alle neuen Schriftstücke wurden in den Erdgeschoßräumen des zweiten Schloßhofes des oberen Schlosses auf der südlichen Seite und in dem Renaissancevorzimmer desselben Schloßhofes gelagert. Gleichzeitig wurden auch die Räume des Schloßkellers auf dem ersten Schloßhof benutzt. Unter die Archivverwaltung ging auch die musikalische Sammlung und die Antiquitätensammlung über. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts siedelte die Schloßbibliothek vom Spiegelsaal im ersten Geschoß des oberen Schlosses in das zweite Geschoß auf der südlichen Seite des Gebäudes um. Gleichzeitig wurde mit ihrer neuen Anordnung nach der Wiener Hofbibliothek begonnen. Mit dieser Anordnung wurde Dr. Karel Tannich beauftragt. Im Verlauf des ersten Weltkrieges wurde nach Český Krumlov auch das Archiv aus der österreichischen Herrschaft gebracht.

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Nach dem Krieg wurde die Agrarreform durchgeführt, und damit hing auch die Übergabe der Archive unter die staatliche Verwaltung zusammen. Nach langen Verhandlungen, die erst im Jahr 1936 endeten, haben die Schwarzenberger erreicht, daß alle Archive wegen Erhaltung ihrer Gesamtheit im Eigentum der Familie blieben. Der Staat verpflichtete sich gleichzeitig, daß er 40% der Kosten für das Archiv in Třeboň übernimmt. Nach der gesamten Reorganisation blieben in Český Krumlov die Fonds der zentralen und oberen Ämter und die Patrimonialarchive von Ratibořické Hory, Krumlov, Prag, Prachatice und Dlouhá Ves. Das ganze Archiv siedelte in die Räume auf dem zweiten Schloßhof um, wo es sich bis heute befindet. Während des Protektorates Böhmen und Mähren wurden auf Veranlassung Dr. Tannichs manche Fonds - einschl. des rosenbergischen Archivs - von Třeboň nach Český Krumlov überführt. Nach dem Ende des Krieges wurde das rosenbergische Archiv wieder nach Třeboň zurückgegeben. Die Archive in Český Krumlov und Třeboň unterstanden zuerst der nationalen Verwaltung des schwarzenbergischen Vermögens. Seit 1947 wurden sie Landes- und seit 1949 Staatsarchive genannt. Im Jahr 1951 wurden sie zu staatlichen regionalen landwirtschaftlichen Archiven und 1952 zu landwirtschaftlich-forstwirtschaftlichen Archiven umbenannt. Zur letzten Änderung kam es zum 1. Januar 1956, wo die Archive unter die Verwaltung des Innenministeriums kamen, und das Archiv in Český Krumlov wurde zum Bestandteil des Staatliches regionales Archiv Třeboň, Filiale Český Krumlov.

(pk)