Der Raum der ursprünglichen Vorburg mit Wällen und Schanzen verwandelte sich dank der Bauentwicklung bis zum Ende des 16. Jahrhunderts in einen verbauten und lebendigen Wirtschaftshof. Den Haupteingang in den I. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov aus dem Stadtteil - aus der Straße Latran bildet ein mit Rustikamauerwerk verziertes Tor mit einer hölzernen Pforte, das nach der Anstrichfarbe das Rote Tor genannt wird. Der obere Teil des Tores mit dem Schwarzenberger Wappen ist zum Teil ursprünglich, aus dem Jahre 1861, die Torflügel und weitere Details wurden im Jahre 1988 renoviert.

Schloss Český Krumlov, I. und II. Schlosshof, Luftaufnahme, Foto: Lubor Mrázek

Das Gebäude rechts vom Roten Tor (Schloß Nr. 57 - der Salzstadel) nennt man den Salzstadel und es geht um ein ursprünglich gotisches Wirtschaftsobjekt, wo das Umfassungsmauerwerk und die Steingewände der Fenster in der Torecke gotischen Ursprungs sind, gotischen Charakter hat bis heute auch der Dachstuhl. Im Verlauf der Bauentwicklung veränderte sich auch die Funktion des Gebäudes. Im Jahre 1511, wo es zum erstenmal erwähnt wird, wurde es als Mälzerei genutzt, seit Ende des 16. Jahrhunderts diente es als Speicher. Im Jahre 1723 wurde das Gebäude in einen Salzstadel verwandelt (davon kommt der heutige Name) und endlich wurde es 1876 in Beamtenwohnungen umgebaut.

Der gemauerte Kern des Gebäudes links vom Roten Tor (Schloß Nr. 46 - die neue Apotheke) mit einer 1556 datierten Renaissancesgraffitofassade stammt vielleicht schon aus dem 14. Jahrhundert. Es wird nicht ganz passend Apotheke genannte, denn ab 1629, seitdem es im Besitz der Fürstenfamilie von Eggenberg ist, ist es in den Kontrollberichten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als Wohnung des herrschaftlichen Arztes zu finden. Erst im Jahre 1915 wurde ins Erdgeschoß die Schloßapotheke aus dem Haus Schloß Nr. 66 - die alte Apothekeverlegt.

Links vom Roten Tor befindet sich der umfangreiche Komplex der ehemaligen Stallungen mit einem Speicher im Obergeschoß (Schloß Nr. 232 - Pferdestallungen), der heutige Säulensaal. Die Pferdestallungen wurden schon im Jahre 1556 erwähnt, 1603 spricht man über Stallungen für 50 Pferde. Im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts werden schon teilweise Umbauten der Stallungen oder des Speichers erwähnt, im Jahre 1878 verlief eine gründliche Rekonstruktion des Objektes. 1939 wurde auf dem Schloßhof der Betrieb der Stallungen beendet, das Gebäude wurde in Büros umgewandelt und es wurde hier der Säulensaal errichtet, der heute als Ausstellungsraum genutzt wird.

An dem Schloßtreppenhaus weiter auf der linken Seite steht das Objekt Schloß Nr. 58 - die alte Burggrafschaft, wo der höchste Beamte und Burgverwalter wohnte. In der komplizierten Grundrißdisposition des Objektes sind die Etappen der Bauentwicklung zu sehen und auch die Schwierigkeiten bei der Anpassung des Baues an das Terrain. Ein Teil des Umfassungsmauerwerkes ist gotischen Ursprungs, die Renaissanceperiode des Aufbaus - in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts - ist sowohl im Interieur als auch im Exterieur des Baues deutlich. Am südlichen und nördlichen Teil ist der radikale Barockumbau oder der klassizistische Umbau aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zu sehen. In Richtung zum Schloßtor blieb ein Teil des Verbindungsganges erhalten, der aus der oberen Burg in das Minoritenkloster führte.

Schloss Český Krumlov, I. und II. Schlosshof, Luftaufnahme

Der Raum des I. Schloßhofes, der ursprüngliche sog. Tummelplatz, öffnet sich auf der rechten Seite in eine Parkanlage, die wahrscheinlich im 16. Jahrhundert gegründet wurde.

Der steinerne Brunnen auf dem I. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov im Parkzentrum stammt aus dem Jahre 1561. Davor waren hier wahrscheinlich Ausläufe für Pferde oder Vieh, davon kann man den alten Namen Tummelplatz ableiten. Der Kranz von Wirtschaftsgebäuden, der die Linie der Vorburgschanzen kopiert, entstand an dieser Stelle wahrscheinlich schon ab dem 14. Jahrhundert, und er hat eine interessante Bauentwicklung. Die Schanzen wurden nämlich von zwei Seiten umbaut, und zwar mit Wirtschaftsobjekten von der Seite der Burg und mit Bürgerhäusern von der Seite der Straße Latran.

Die einzelnen Objekte erfüllten verschiedene Funktionen, die sich im Lauf der Jahrhunderte veränderten - zum Beispiel das Objekt Schloß Nr. 66 - die alte Apotheke, das seit 1587 diesen Namen trug. Außer daß das Objekt seit dem Anfang des 18. Jahrhundert zur Unterbringung der höheren fürstlichen Beamten benutzt wurde, erwähnen die Inventare der Objekte die Umbauten des Apothekenlabors, des Raumes für Laboranten oder Zimmer für den Apotheker. Im Jahre 1915 wurde dann die Apotheke mit dem ganzen Betrieb ins Haus Schloß Nr. 46 - die neue Apotheke verlegt, die freien Räume wurden in Wohnungen umgebaut und das Erdgeschoß dann in eine Verkaufsstelle.

Von weiteren interessanten Objekten sollte das Eislager erwähnt werden, heute nur im Grundriß der Umfassungsmauern gleich in der Nähe eines der Schloßobjekte - der Schmiede erhalten. Die Inventare aus dem Beginn des 17. Jahrhunderts erwähnen gleich zwei Schmieden. Das bis heute erhaltene Objekt entstand im Jahre 1654 und wird als ein wertvolles historisches Element des Wirtschaftsgebäudes eingeschätzt.

I. Schlosshof des Schlosses Český Krumlov, Ansicht des wichtigsten Schlossverkehrswegs, 2000, Foto: Lubor Mrázek Das Gebäude der ehemaligen Brauerei (Schloß Nr. 65 - Brauerei) erhielt seine heutige Form um das Jahr 1561 und im Zusammenhang mit dem Bau wird im Jahre 1579 der Krumauer Burggraf und spätere Regent der Herrschaft Jakub Krčín von Jelčany erwähnt. Eine ausführlichere Quelle aus dem Schloßinventar von 1607 beschreibt Kammer, Räume, Speicher, Siederei, Mälzerei, Keller und bemerkenswert sind auch die angeführten Vorräte, die große Ansprüche an Räume belegen. Es scheint, daß zum Betrieb der Brauerei auch weitere Nebengebäude dienten, und nicht nur das eigentliche Objekt mit dem erhaltenen Renaissancesgraffitoverputz und mit dem großzügigen Speicher mit großen Kellern, von Mittelpfeilern gestützt. In den Jahren 1624 - 1625 wurde der Betrieb der Brauerei nach außerhalb des Schloßareals verlegt und die einzelnen Objekte wurden zu Wohnungen und Werkstätten für Handwerker, zu Speichern oder Lagern adaptiert. Von den Handwerkern sind hier zum Beispiel Wagenbauer, Schreiner, Dachdecker angeführt. Am Ende des 19. Jahrhundert wurde hier die fürstliche Molkerei mit Butter- und Käseproduktion errichtet.

Das Objekt Schloß Nr. 184 - Spital lag an der Stelle des heutigen Durchgangs in den Hirschengarten, wo offensichtlich in der Befestigung ein Tor stand. Im 16. Jahrhundert waren hier Werkstätten und Wohnungen der herrschaftlichen Diener und im Jahre 1775 wurde hier ein Spital für die Schloßdienerschaft errichtet, das bis zum Ende des 19. Jahrhundert funktionierte.

Das Schloß Nr. 64 - Büchsenmacherei ist das letzte Objekt in diesem Teil des Schloßhofes, es wurde an der südwestlichen Ecke der mächtigen Bastion irgendwann am Ende des 18. Jahrhunderts erbaut. Es wird als Wohnung und Werkstatt des herrschaftlichen Büchsenmachers bezeichnet, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts waren hier Wohnungen der Beamten.

Gegenüber dem Komplex der Wirtschaftsgebäude stehen an den Wällen großzügig projektierte Kutschenschuppen (Schloß - Kutschenschuppen), die irgendwann am Beginn des 18. Jahrhunderts erbaut wurden. Infolge des Betriebs des Beamtenapparates und der hohen Frequenz der Fürstenbesuche waren die Ansprüche an Lagerung von Kutschen, Schlitten oder anderen Fuhrwerken beträchtlich. Es ist interessant, daß auch nach dem Brand im Jahre 1774 die Kutschenschuppen im ursprünglichen Umfang erneuert wurden.

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(ps)