Die mächtigen Bastionen beim Eingang in den II. Schloßhof sind ein Bestandteil der im Jahre 1620 errichteten Befestigung. Am Anfang der Unruhen des Dreißigjährigen Krieges ließ der Kommandant der kaiserlichen Burggarnison Ferdinand Carrati de Carrara eine Befestigung bauen. Die Löwen als Schildträger tragen auf den Bastionsspitzen Schilde mit dem Wappen des Fürsten Joseph Adam zu Schwarzenberg (1722 - 1782) links und seiner Gemahlin Maria Theresia von Liechtenstein (1721 - 1753) rechts.

Ein tiefer Graben ist mit einer Steinbrücke überbrückt, die an der Stelle der ursprünglichen Fallbrücke im Jahre 1647 errichtet wurde. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden auf den Brüstungsmauern der Brücke die Statuen der Jungfrau Maria und St. Josefs installiert. Seit dem 16. Jahrhundert werden im Bärengraben auf dem Schloß Český Krumlov Bären gehalten als der lebender Beleg der vermuteten Verwandtschaft der Herren von Rosenberg mit dem italienischen Geschlecht von Orsini. Über der Steinlaibung des Tores wurden die Wappen Wilhelms von Rosenberg (1535 - 1592), Johann Antons von Eggenberg (1610 - 1649) und seiner Ehefrau Maria Anna von Brandenburg (1609 - 1680) installiert.

Schloss Český Krumlov, Brunnen auf dem II. Schlosshof, Detail, Foto: Lubor Mrázek

Der heutige II. Schloßhof ist der Raum der ursprünglichen sog. unteren Burg mit folgendem Komplex von Objekten: Kleine Burg mit Turm, Neue Burggrafschaft, Münze und Butterfaß. Das Terrain des Hofes erhielt seine heutige Gestalt irgendwann um das Jahr 1640, im Mittelalter handelte es sich offensichtlich um einen wenig bebauten Raum, der als Befestigung zwischen der unteren und oberen Burg diente. Erst in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts während des großzügigen Umbaus der Krumauer Burg in eine repräsentative Schloßresidenz wurde der Raum mit weiteren Gebäuden verbaut.

Der älteste und bedeutendste Bau ist das Gebäude der sog. Kleinen Burg mit dem Schloßturm (Schloß Nr. 59 - Kleine Burg, Schloß Nr. 59 - Schloßturm). In der linken Schloßhofecke gibt es eine Treppe zu diesem Objekt, das als ein mächtiger Zylinderturm mit einem Palas schon in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts erwähnt wird. Unter der Regierung Wilhelms von Rosenberg leitete der Architekt Baldassare Maggi d´ Arogno um das Jahr 1580 den Gesamtumbau der frühgotischen Kleinen Burg, und der einfache gotische Palas wurde in ein Renaissancewohnhaus umgebaut. Der Turm wurde auch umgebaut und im letzten Stock wurde ein Arkadenumgang errichtet. Im Jahre 1591 hat der Maler Bartoloměj Beránek-Jelínek den Schloßturm und die Kleine Burg mit Malereien - mit figuralen und architektonischen Motiven - ausgeschmückt. Nach der Öffnung des Turmknopfes am 22. August 1991 gelang es, aufgrund der gefundenen Dokumente die Daten der Bauetappen in den Jahren 1690, 1794 und 1947 zu präzisieren. Die gegenwärtigen Restaurator- und Rekonstruktionsarbeiten zielen auf die Rehabilitation des architektonischen Renaissanceplans des Turmes und der Kleinen Burg, der in manchen Teilen immer noch sichtbar ist bzw. sich unter dem Verputz aus dem 19. Jahrhundert verbirgt.


Schloss Český Krumlov, I. und II. Schlosshof, Luftaufnahme, Foto: Lubor Mrázek

Im Rahmen der erwähnten Bauaktivität von Baldassare Maggi d´ Arogno wurde um das Jahr 1578 die sog. Neue Burggrafschaft gebaut (Schloß Nr. 59 - die Neue Burggrafschaft), die von zwei Seiten - der nördlichen und der östlichen - den Raum des II. Schloßhofes abschloß. Das Gebäude mit einer rechtwinkligen Zweiflügeldisposition ist auf großzügig gewölbten Kellern errichtet (Länge 48 m, Höhe 4,6 m, Breite 8,5 m). Ein solcher Kellerraum ist, mit Ausnahme der Prager Burg, in der tschechischen Schloßarchitektur einzigartig. In den Kellern mit Ausgang in den Tummelplatz waren ursprünglich Stallungen, in einem weiteren Trakt der kleineren Keller war bis 1803 ein Gefängnis, das sich neben den Räumen für die Bären befand. Erdgeschoß und Obergeschoß des Gebäudes wurden ursprünglich für den administrativen Betrieb des Schlosses genutzt, heute befindet sich im Obergeschoß über dem Einfahrtstor die Schloßbibliothek, die 40 000 Bände von Belletrie und wissenschaftlicher Literatur enthält, die in den letzten vier Jahrhunderten gesammelt wurden. In dem größeren Nordflügel siedelte in den Jahren 1800 bis 1850 eine der ersten landwirtschaftlichen Fachschulen in Böhmen. Jetzt sind hier Büros und Depositare der Filiale des Staatlichen Regionalarchivs mit einer großen Menge von Schriftstücken von der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Die Räume im Erdgeschoß wurden unter anderem als Kasernen der Schwarzenbergischen Garde genutzt, die hier von 1742 bis 1949 wirkte. Vier Kanonen aus den Jahren 1608, 1644 und 1870 sind hier von der Schloßgarde zurückgeblieben. Chiaroscuros, ursprünglich Renaissancemalereien auf der Fassade, wahrscheinlich unter der Leitung von Gabriel de Blonde in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts angebracht, wurden in den Jahren 1842 und 1908 erneuert.

II. Hof des Schlosses Český Krumlov, Aquarell

Die südliche Seite des Schloßhofes schließt eines der jüngsten Gebäuden ab - die sog. Münze (Schloß Nr. 59 - Münze). Auf das Jahr 1642 beziehen sich die Berichte über die Wiedererrichtung der Münze im Zusammenhang mit der Bauaktivität des Fürsten Johann Anton I. von Eggenberg (1610 - 1649). Zuverlässiger kann man aber dieses Gebäude an dieser Stelle erst in den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts lokalisieren. Nach dem Brand im Jahre 1729 leitete den Umbau der Architekt A. E. Martinelli, das Gebäude wurde um einen Stock erhöht und erhielt sein heutiges Aussehen. Die Stuckverzierung über dem mittleren Eingang deutet den Gebrauchszweck des Gebäudes an - außer dem älteren Münzbetrieb (das Prägen von Münzen) war hier die Wohnung des fürstlichen Jägermeisters, später wurden hier Büros des Großgrundbesitzes, der Forstdirektion usw. errichtet. In jüngster Zeit wurde das Erdgeschoß für die Bedürfnisse der Schloßverwaltung adaptiert und in den Kellerräumen befinden sich die Depositare des Staatlichen Regionalarchivs. Im Obergeschoß wurden Ausstellungsräume errichtet (Dienstleistungen für Touristen im Areal des Schlosses Český Krumlov).

.. Ansicht des II. Hofes des Schlosses Český Krumlov

Der Brunnen auf dem II. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov ist 1641 datiert und seine Installation hing offensichtlich mit der Terrainaufbereitung des Schloßhofes zusammen. Den Zutritt zu der oberen Burg erschwerte der zweite Burggraben. In der gotischen Periode war hier ein Turm mit Treppenhaus, der mit dem Palast durch eine Holzbrücke im Obergeschoß verbunden war. Den Kern dieses gotischen Turmes mit Treppenhaus bildet heute das Objekt des Schmalzkastens (Schloß Nr. 59 - Schmalzkasten), das nach dem Renaissanceumbau zur Butterproduktion und zur Verarbeitung der Milchprodukte für den Bedarf der Schloßküche diente. Die gegenwärtige Sgraffitifassade des Gebäudes wurde 1989 renoviert. Im Jahre 1575 wurde der Zutritt zu der oberen Burg zur heutigen Form ausgebaut (der Gang, der den II. und III. Schloßhof des Schlosses Český Krumlov verbindet), wobei die Fallbrücke in der Mitte des 17. Jahrhunderts beseitigt wurde.

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(ps)