..Die Kaskadenfontäne befindet sich im Schloßgarten in Český Krumlov. Sie ist auf einem Abhang situiert, der die Grenze des sog. oberen Gartens und des unteren Parterres bildet. Die Kaskadenfontäne mit den Statuen von Wassergöttern, einer Balustrade, Vasen und Allegorien der vier Jahreszeiten krönt die Stirn des oberen Gartens.

Der aus dem Jahre 1750 stammende Plan des Schloßgartens, angefertigt vom Landvermesser Jan Jiří Plansker, zeigt den Ort, wo sich heute die Kaskadenfontäne befindet. Die Terrasse des oberen Gartens war in dieser Zeit gegenüber dem unteren Parterre abgegrenzt durch eine Stützmauer (der Höhenunterschied zwischen den Terrassen beträgt nicht ganz 4 Meter). An der dem oberen Garten zugewandten Seite der Mauer befand sich eine Balustrade, während ihre Stirn am unteren Parterre von einem mit Gras bewachsenen Abhang gebildet wurde. Die Balustrade war in der Nähe der Umfassungsmauern des Gartens durch zwei Kutschenrampen und in der Linie der Hauptkompositionsachse durch eine einfache Treppe unterbrochen. Die Disposition des unteren Parterres im Jahre 1750 beurkundet noch die Existenz der frühbarocken Auffassung des Parterres auf dem Prinzip der sternförmigen Anordnung der Wege.

Mit dem Bau der Kaskadenfontäne begann man nach dem Jahr 1750 nach einem Entwurf des Wiener Architekten Andreas Altomonte im Rahmen der gesamten Veränderung des Schloßgartens im Stil des Wiener Rokoko. Die Steinmetzarbeiten wurden aus Muschelkalkstein durchgeführt, der aus Eggenburg in Niederösterreich herangebracht wurde, und zwar vom Bildhauer Matthias Griessler unter Hilfe und Aufsicht des Bildhauers und späteren Garteninspektors Jan Antonín Zinner (wahrscheinlich 1708 - 1763). In der ersten Phase entstand die eigentliche Kaskade mit vier Ebenen mit reichhaltiger bildhauerischer Ausschmückung, bestehend aus dekorativen Vasen und der dominanten Dreiergruppe von Statuen der Wassergottheiten. Das Wasser für die Fontäne wurde über Holzrohre aus dem oberen Schloßteich herangeführt (Schloßwasserleitungen).

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In Anbetracht der vorherigen Tätigkeit des J.A. Zinner in den Diensten des Prinzen Eugen von Savoyen im Wiener Belvedere und auf dem Schloß Schloßhof kann man die ein wenig ältere Kollektion von Kaskadenfontänen im Garten Belvedere als Vorlage der Fontänen in Český Krumlov betrachten. Die niederösterreichischen Schloßgärten in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts resorbierten und transformierten nach und nach auf schöpferische Weise die Kompositionsprinzipien sowohl der französischen klassizistischen Gärten in der Ebene als auch die Plastizität und die Reichhaltigkeit der Gärten des italienischen Barock. Die Kaskadenfontäne nahm eine dominante Stellung ein an der Stirn des unteren Broderieparterres, ergänzt noch von einem weiteren Wassermotiv - einem Paar von achtseitigen Bassins mit Springbrunnen.

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Im Jahre 1762 wurde an beiden Seiten der Kaskadenfontäne eine neue Balustrade errichtet, 176,37 Meter lang und 63 Zentimeter hoch. Auf der Brüstungsmauer zu beiden Seiten der Kaskade wurden zwanzig verschiedene dekorative Vasen angebracht, angefertigt ebenfalls aus Eggenburger Kalkstein. M. Griessler erbaute in den Jahren 1765 - 1766 auf dem Abhang an beiden Seiten der Kaskade Treppen. Beim Weg vom oberen in den unteren Teil des Gartens fertigte er vier Statuengruppen an, die die vier Jahreszeiten darstellen.

Kaskadenfontäne im Schlossgarten in Český Krumlov, zeitgenössische  Fotografie, Foto von Seidel 1922 Im Jahre 1765 mußten die ursprünglichen Rohre aus Holz ausgewechselt werden. Die kurze Lebensdauer der Rohre aus Holz verursachte auch später Schwierigkeiten. Im Jahre 1785 wurden aus Kiefernstämmen gebohrte Rohre in fünf Reihen parallel gelegt. Bei der Fontäne mündeten sie in Gußeisenrohre, die in den Eisenhütten in Strašecí hergestellt wurden.

Eine lange Tradition hatte die Haltung von Goldfischen in den Bassins der Kaskadenfontäne - die ersten Instruktionen für ihre Haltung stammen schon aus dem Jahr 1781.

Im Jahr 1850 kam es zur Reparatur der Fontäne. Im Archiv in Český Krumlov blieb ein Plan der Erneuerung erhalten, der die Reparatur der Stützmauern der oberen drei Bassins der Kaskade und auch diejenige der Balustraden entlang der Treppe dokumentiert.

Die Wartung des Gartens in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war beeinflußt von Sparmaßnahmen.


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Erst im Jahre 1925 wurde die Restaurierung der Vasen auf der Balustrade durch den Restaurator Jindřich Čapek bestätigt und im Jahre 1926 die Restaurierung der Neptun-Statuengruppe durch den akademischen Bildhauer Josef Vácha.

Kaskadenfontäne im Schlossgarten in Český Krumlov, ein historisches Foto

Im Jahre 1931 wurde die ursprüngliche Isolierung aus Lehm am Boden des unteren Bassins der Kaskade durch eine Betonschicht ersetzt. Weitere Reparaturen verliefen an der Wende der 60er zu den 70er Jahren im Rahmen der Rekonstruktion des Schloßgartens. Es wurden die Balustraden repariert, die Isolierung ausgewechselt und die bildhauerische Ausschmückung restauriert. Infolge der unzureichenden Wartung verschlechterte sich abermals der Zustand der Kaskadenfontäne und die bildhauerische Ausschmückung wurde bedeutend beschädigt.

Kaskadenfontäne im Schlossgarten in Český Krumlov, Zustand nach dem Jahre 1970

Im Jahre 1990 verlief die Restaurierung der Stuckornamentausschmückung der Balustrade. Im Jahre 1996 begann die gesamte Rekonstruktion der Kaskadenfontäne mit dem Vorhaben der Erneuerung des bedeutenden architektonisch-bildhauerischen Komplexes, der zu den wertvollsten Objekten seiner Art in den böhmischen Ländern zählt.

.. Kaskadenfontäne im Schlossgarten Český Krumlov, Detail - Plastik der Fische, Foto: Lubor Mrázek

Weitere Informationen :
Rekonstruktion der Kaskadenfontäne im Schlossgarten Český Krumlov
Festliche Wiederinbetriebnahme der Kaskadenfontäne im Schloßgarten in Český Krumlov

(jo)